Jürgen Wagner
Jürgen Wagner

 

 

 

ZEN

 

 

 

 

 

 

ZEN ist etwas, was uns westlichen Menschen spürbar hilft und gut tut - vergleichbar dem Yoga. Die ursprüngliche Härte, die er im asiatischen Buddhismus hatte und noch hat, werden wir Europäer s o nicht leben können und wollen, aber wir können davon lernen und üben

 

- präsent zu sein, in der Gegenwart zu leben

- hinderliche Anhaftungen loszulassen

- innerlich stiller zu werden, nicht ständig im Gedankenkarussell mitzufahren

-  die Dinge ohne Vorurteile nüchtern wahrzunehmen, wie sie wirklich sind

- sich Auszeiten zu nehmen, in denen man sich nichts vornimmt, sondern sich klärt, reinigt, wieder öffnet und Neues erfahren kann

 

 

Ein klarer Geist und ein friedvolles Herz, Kraft und Furchtlosigkeit, Strenge und Mitgefühl - und oft auch Humor sind die Eigenschaften, die man an Menschen wahrnimmt, die lange diese Meditation geübt haben. Dahin jedenfalls geht dieser Weg.

 

Im Hintergrund steht die Erfahrung Shakyamuni Buddhas: eine Erfahrung von Erleuchtung, einer umfassenden  Befreiung aus den eigenen menschlichen Konditionierungen, die sich aber zu einem großen Teil auch wieder einstellen (müssen). Jeder Mensch kennt wohl solche Augenblicke, in denen wir gelöst und befriedet s i n d. Die lassen sich nicht planen, nicht halten, aber wertschätzen.

 

Was in diesem Augenblick 'ist', nennt man im Buddhismus manchmal die höchste Wirklichkeit oder die Buddhanatur, im Westen ahnt man ein höchstes, immerwährendes göttliches Sein. Davon sollte man schweigen. Nicht aber von dem Weg der Erkenntis, den jeder selbst gehen muss:

 

'Wenn deine Einsicht meiner Lehre widerspricht, so sollst du deiner Einsicht folgen' (Buddha).

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Awakening of faith
LANDR-Awakening of faith.mp3
MP3-Audiodatei [2.8 MB]

 

 

 

 

 

 

Der Eichbaum im Garten

 

 

Meister Joshu wurde einmal von einem Mönch gefragt: „Welchen Sinn hat das Kommen des Patriarchen (Bodhidharma) aus dem Westen (Indien)?“  Joshu antwortete: „Der Eichbaum da im Garten.“ Der Mönch sagte: „Meister, Ihr solltet es nicht mit Hilfe der objektiven Welt zeigen.“ Joshu antwortete: „Ich zeige es euch nicht mit Hilfe der objektiven Welt.“ Da fragte der Mönch noch einmal: „Welchen Sinn hat das Kommen des Patriarchen aus dem Westen?“ Joshu antwortete: „Der Eichbaum da im Garten.

 

 

 

Welcher Sinn hat denn mein Leben?

Der alte Eichbaum kann mir's geben

Ich geh zu ihm in uns'ren Garten,

leg mich ruhig in seinen Schatten

Winde wehen durch die Blätter

Welch ein frühlinghaftes Wetter!

Die Wurzel ist so knorrig hart

Das ist des Lebens feine Art

Die Äste strecken sich weit aus

Die ganze Welt ist hier zuhaus

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der einfache Weg

 

 

 

Joshu fragte seinen Lehrer Nansen: «Was ist der Pfad?»
Nansen sagte: «Das tägliche Leben ist der Pfad.»
Joshu fragte: «Kann man das studieren?»
Nansen sagte: «Wenn du versuchst, es zu studieren, so bist du fern davon.»
Joshu fragte: «Wenn ich es nicht studiere, wie kann ich dann wissen, ob es der Pfad ist?»
Nansen sagte: «Der Pfad gehört nicht der Welt der Wahrnehmung an, noch gehört er der Welt der Nicht-Wahrnehmung an. Erkenntnis ist eine Täuschung und Nicht-Erkenntnis ist sinnlos. Wenn du den wahren Pfad jenseits aller Zweifel erreichen willst, so versetze dich in dieselbe Freiheit, wie der Himmel sie hat. Du wirst sie weder gut noch nicht-gut nennen.»
Bei diesen Worten wurde Joshu erleuchtet.

 

 

 

 

 

Der höchste Weg, er ist nicht schwer

Du lässt, was ist, bleibst ruhig und leer

Du übst Dich weiter in Geduld,

in Klarheit, Weisheit - und in Huld
 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der königliche Besuch

 

 

 

Eines Tages, als Joshu auf dem Lehrstuhl Platz genommen hatte, meldete der Aufwärter: ‚Der große König ist gekommen!‘ Joshu sah bestürzt nach rechts und links und sagte: ‚Dem Großen König Heil vieltausendfach!‘ Anstatt den hohen Besuch abzuwarten, rief er seinen Gruß dem Aufwärter entgegen! Der Aufwärter, sichtlich betroffen, sagte: ‚Er ist noch nicht da, Ehrwürdiger!‘ Da sagte Joshu: ‚Jetzt sagst Du es wieder: Er ist gekommen!‘

 

 

 

 

 

 

Der Joshu war ein alter Meister 
Sein Ruf drang bis zum König vor
Der wollte  ihn mal kennen lernen
Und leihen ihm ein off‘nes Ohr

 

Mit Sänfte und all dem Gefolge
War er fast schon an seinem Ziel
Ein Mönch stand dort und schaute aus
Denn man erwartete recht viel

 

Der Zug erreicht die nahe Brücke
Da läuft der Mönch in schnellem Schritt
Und ruft: "Der König ist gekommen!
Ich habe ihn bereits erblickt!"

 

Der Meister ruft ihm gleich entgegen
 "Dem König Heil vieltausendfach!"
Ihn hat er dabei angesehen
Der Mönch, verdutzt, war noch nicht wach


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Scheißstock

 

 

 

Ein Mönch fragte Yunmen in allem Ernst: ‚Was ist Buddha?’

Yunmen sagte: Kanshiketsu!*

 

 

 

 

 

"GOTT" in der Küche, im Salon

In Deinem Zimmer, im Büro

Auf Deiner Arbeit, dem Balkon

Im tiefen Keller, auf dem Klo

 

 

 

 

 

*  Kanshiketsu (Scheißstock) – ein Spatel, der im alten China zum Abwischen des Kotes verwendet wurde.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Duft des Berglorbeer

 

 

 

Ein Zen-Schüler, der die Erleuchtung suchte, beklagte sich bei seinem Meister ständig darüber, dass dessen Erläuterungen unvollständig seien und der Meister ihm irgendeinen entscheidenden Hinweis vorenthalte. Der Meister versicherte, dass er ihm nichts vorenthalte. Der Schüler bestand darauf, dass es etwas gebe, was der Meister ihm vorenthalte. Der Meister bestand darauf, dass er ihm rein gar nichts vorenthalte. Etwas später gingen die beiden auf einem Pfad durch die Berge spazieren. Plötzlich sagte der Meister: 'Riechst Du den Duft des Berglorbeers?' Der Schüler sagte 'Ja.' 'Siehst Du,' antwortete der Meister, 'ich enthalte Dir gar nichts vor.

 

 

 

 

 

 

 

'Riechst Du den Duft des Berglorbeer?'

Fragt der Meister seinen Schüler

Der ihn so bat um eine Lehr’

Denn er wäre gerne klüger

Erleuchtet sein, das wünscht’ er sehr

 

 

D a s  muss was ganz Besond’res sein

Die Meister sind es jedenfalls

Erlöst zu sein, im Herzen rein

Furcht und Leiden keinesfalls

Ergründet haben, was geheim

 

 

D a s  ist so schwer nicht, wie man meint

Offenbar ist es vor Augen

Ein kleiner trügerischer Schein

Raubt uns ständig unsren Glauben

Wir s i n d  im Licht jahraus jahrein

 

 

All unsern Kleinmut, die Bedenken

An uns zu zweifeln, an der Welt

Die könnten wir uns großteils schenken

Wenn man einfach innehält

Um die Verwirrung zu beenden

 

 

Mal hilft uns da ein klarer Wille

Mal auch das Fließen eines Bachs

Vielleicht auch mal die bitt’re Pille

Ein Vogel singend auf dem Dach

Ein paar Atemzüge Stille

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wer ist mein Meister?

 

 

 

Ein Mönch fragte: „Wer ist mein Meister?“

Joshu erwiderte: ‚Die Wolken ziehen zwischen den Bergen dahin. Das Wasser fällt im Tal nieder und macht kein Geräusch.’

Der Mönch meinte: ‚Danach habe ich nicht gefragt.’

Joshu sagte: ‚ Das ist dein Meister. Du erkennst ihn nur nicht.'

 

 

 

 

 

 

Lernen wir nicht,

werden wir belehrt

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wölfe im Dorf

 


 

 

Im Dorf wurden in der Nähe von Meister Shojus Tempel Wölfe gesichtet. Daher ging Shoju eine Woche lang jede Nacht auf den Dorffriedhof und liess sich dort zur Meditation nieder. Damit wurden die nächtlichen Angriffe der Wölfe beendet.
 

Die Dorfbewohner waren begeistert. Sie baten, ihnen die geheimen Riten zu offenbaren, die er vorgenommen hatte, damit sie in Zukunft das gleiche tun könnten.
 

Da sagte Shoju: "Es bedurfte keiner geheimen Riten. Während ich in Meditation saß, versammelte sich eine Anzahl Wölfe um mich. Sie leckten meine Nasenspitze und schnupperten an meiner Kehle. Aber weil ich in rechter innerer Ruhe verharrte, wurde ich nicht gebissen."

 

 

 

 

 

 

 

 

Shoju und die Wölfe

 

 

 

Es war einmal ein kleines Dorf
Die Wölfe hatten großen Hunger
Sie fraßen sich durch Haus und Hof
Der Ort war noch in tiefem Schlummer

 

Am Morgen war der Schrecken groß:
'Sie werden morgen wiederkommen!
Wie werden wir die Tiere los?'
Hat man sich hin und her besonnen

 

Ein Meister war in jenem Ort
Der setzte sich nur auf die Straße
In einer Nacht - und sprach kein Wort
Versenkte sich in hohem Maße

 

Und in der Tat, das Rudel kam
Es war bereits zu später Stunde
Sie waren hungrig und nicht zahm
Und kreisten um ihn in der Runde

 

Sie schnüffelten an seinem Ohr
An seinem Knie und seinem Nacken
Doch er blieb friedvoll wie zuvor
Die Tiere konnten ihn nicht packen

 

Sie kamen selbst zu einer Ruh
Vergaßen Hunger und das Wildern
Zwei legten sich sogar dazu
Und alle wurden merklich milder

 

Im Dorf empfand man großen Dank
Man sammelte von allen Speisen
Die Reste, die man jeweils fand
Was immer man sich konnte leisten

 

Man gab's den Tieren manchen Tag
Die Wölfe hatten was zu fressen
Die Angst war weg und auch die Plag'
Das Dorf beschützt, die Fehd' vergessen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Einbruch

 
 


 

Ryokan, ein Zen-Meister, führte das allereinfachste Leben in einer kleinen Hütte am Fuß eines Berges. Eines Abends durchwühlte ein Dieb die Hütte, musste jedoch feststellen, dass nichts zum Stehlen da war. Ryokan kam nach Hause zurück und ertappte ihn. "Du bist wohl einen langen Weg gegangen, um mich zu besuchen", sagte er zu dem Vagabunden, "und du sollst nicht mit leeren Händen weggehen. Bitte, nimm meine Kleider als Geschenk." Der Dieb war verblüfft. Er nahm die Kleider und machte sich davon. Ryokan saß nackt da und betrachtete den Mond. "Armer Kerl", murmelte er, "ich wollte, ich könnte ihm diesen wunderschönen Mond geben."

 

 

 

 

 

Vom Dieb zurückgelassen
Der Mond
im Fenster

 

(Ryokan)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Eine Tasse Tee

 

 

 

 

Zenmeister Joshu fragte einen neuen Mönch im Kloster:
Habe ich dich schon mal gesehen?
Der neue Mönch antwortete: Nein, mein Herr. Joshu sagte: Dann nimm eine Tasse Tee.

 

 Joshu wendete sich dann einem anderen Mönch zu:
Habe ich dich hier schon einmal gesehen? Der zweite Mönch sagte: Ja, mein Herr, natürlich haben Sie das. Joshu sagte: Dann nimm eine Tasse Tee.
 

 

Später fragte der geschäftsführende Mönch des Klosters Joshu: Wie kommt es, dass du das gleiche Teeangebot auf jede Antwort machst? 

Da schrie Joshu: Manager, bist du noch da? Der Geschäftsführer antwortete: Natürlich, Meister. Joshu sagte: Dann nimm eine Tasse Tee.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Predigt

 

 

Du solltest Bäume und Felsen damit betrauen, den Dharma zu predigen, und du solltest Reisfelder und Gärten nach der Wahrheit fragen. Frage Pfeiler nach dem Dharma* und lerne von Hecken und Mauern.

 

Dogen Zenji

 

 

* Dharma bedeutet Gesetz; Sache; Lehre. Man könnte es in etwa so übertragen: Frage als rastloses Menschenwesen die ruhenden Dinge nach der Wahrheit und dem universellen Gesetz und richte Dich nach ihnen aus ...

 

 

 

 

Yosemite National Park, California

 

 

 

 

Schweigen können

 

 

Ein Mönch fragte: ‚Die gewöhnlichen Leute verehren Reichtümer. Was aber schätzt ein Mönch?‘ Joshu bat: ‚Schließ schnell deinen Mund.‘ Der Mönch fragte: ‚Wird das ausreichen?‘ Joshu meinte: ‚ Wenn du nicht die Klappe hältst, wie kannst du da verstehen?‘

 

 

 

 

 

 

 

 

Von den höchsten Dingen soll man schweigen

 

 

Joshu unterwies die Menschen:

'Ich mag das Wort ‚Buddha‘ nicht hören‘.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Schlagfertig

 

 

Jemand fragte den Zen-Meister Joshu: “Du bist ein so heiliger Mensch. Wo wirst du dich befinden, wenn du tot bist?” Joshu antwortete: “Ich gehe vor euch allen zur Hölle!”  Der Frager war wie vom Donner gerührt und sagte: “Wie wäre das möglich?” Der Meister zögerte nicht: “Wenn ich nicht als erster zur Hölle ginge, wer würde dort warten, um Menschen wie dich zu retten?

 

 

 

 

 

 

 

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