Jürgen Wagner
Jürgen Wagner

 

ADVENT - WEIHNACHTEN - RAUHNÄCHTE

 

 

 

 

 

Die Wintersonnenwende am 21.12. eines jeden Jahres ist der eigentliche Festtag, die 'Heilige Nacht'. Hier wird das Licht in der tiefsten Nacht neu geboren und ein neuer Jahreszyklus beginnt. Die Christen haben das Fest um 3 Tage nach hinten verlegt und das Licht mit Jesus identifiziert - das er selber aber einem jeden zugesprochen hat (Mt 5/14).

 

Die darauffolgenden 12 Nächte zwischen dem 21.12. und dem 1.1. waren seit alters her die 'Rauhnächte' oder 'wihen nachten', die 'Weih-nachten', die geweihten (heiligen) Nächte. Das lebenswichtige Licht war mit der Wintersonnenwende am 21.12. wiedergekehrt und setzte sich nun wieder langsam durch.

 

Nun ist die ‚Zeit zwischen den Jahren‘. 11 Tage und 12 Nächte steht die Zeit quasi still.

Mit dem Julfest am 21.12. ruhte traditionell alle Arbeit und aller Streit. Es war die Zeit, wo man ungestört feiern und Gelage abhalten konnte.  Gleichwohl war harte stürmische Winterzeit und am Nachthimmel erschien das Heer Odins und Frau Holle/Perchta, die  mit ihrem Gefolge unterwegs war und das Land sichtete. Ihnen stellte man mancherorts kleine Gaben auf einem Tisch ins Freie. In modernen Häusern und in Zeiten des Klimawandels, wo keine Winterstürme mehr um das Haus toben und an den Fenstern rütteln, wird man sich darüber wohl erhaben fühlen. 

 

Die Rauhnächte schienen sehr durchlässig für die andere Welt, bestens geeignet für Vorausschau und Orakel. Doch neben der Stille war immer auch  ein  ‚Heidenspektakel‘ mit Feiern und lauten Umzügen, mit guten Wünschen und Glückssymbolen, mit denen das neue (Sonnen-) Jahr  begrüßt wurde. So kehrt man heutzutage spätestens an Silvester wieder in das umtriebige und bewegte Leben zurück.

 

 

 

Die Nacht ist vorgedrungen
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Zur Heiligen Nacht

 

 

 

 

Ein Kind ist uns geboren

Ein Töchterlein geschenkt

In einer kleinen Wohnung

Die ziemlich eingeschränkt

 

Ein Retter soll erlösen

So spricht das alte Wort

Von allem Schlimmen, Bösen

Bereiten jenen Ort

 

Wo Fried und Freude wohnen

Kein Mensch begierig ist

Es soll die Liebe thronen

Gleich einem Paradies

 

So machen wir doch uns’ren

Wie immer kleinen Ort

Zu einem heil’gen Stalle

Für Tier und Mensch zum Hort

 

 

 

 

 

 

 

Maria durch den Dornwald ging
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Der geschichtliche Jesus hatte wohl mit seiner Familie gebrochen (Mk 3/31-35, Lk 14/26). Dennoch hatte man im römischen und orthodoxen Christentum seine Mutter Maria ebenfalls zum Gegenstand der Verehrung gemacht. Sie wurde auf  der symbolischen Ebene Erbin der alten Muttergottheiten und wahrte so das Gleichgewicht und die Polarität.

 

 

 

 

Die traurig ahnungsvolle, teils in sich, teils zum Betrachter schauende 'Gottesmutter von Wladimir' ist eine der berühmtesten Ikonen. Eine Beziehung zu Jesus gibt es für den Gläubigen hier nur(mehr) indirekt. - Anders die gotische Darstellung in der Krypta der Kathedrale von Chartres (s. unten): hier sitzt die Göttin/Mutter still in sich ruhend, das Kind ist im Vordergrund, der Welt und dem Betrachter zugewandt

 

 

Ich steh an Deiner Krippen hier
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Weihnachten

 

 

 

 

 

Den Geist des Friedens zu bewahren
Mit der Liebe nicht zu sparen


Den Christ in sich zur Welt zu bringen
Das eig’ne Lied fröhlich zu singen


Das Licht in sich nicht zu verbergen
Das Schwache stetig zu verstärken


So werden wir gut überwintern
Wenn auch nicht alles hier verhindern

 

 

 

 

Geburt Christi mit den 3 Astrologen aus Mesopotamien © marcel - Fotolia.com

 

 

Drei Weise aus dem Morgenlande
Melodie und Einspielung: JW
Drei Weise aus dem Morgenlande.wav
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Mir ist ein Stern erschienen
der schloss mir auf die Welt
der öffnete mir Türen
das weite Himmelszelt

 

der ließ mich was erkennen
der Enge mich entflieh'n
der öffnete mein Herz
zog mich zu Menschen hin

 

Mir ist, als wenn beim Mahle
erschien der Heil'ge Christ
zu teilen Dank und Gabe
zu spüren, wer man ist

 

 

 

 

Zeichnung © Inge Hoppe-Grabinger

 

 

 

 

 

 

Frau Holle und der Blinde

 

 

 

 

Es war in jener heil‘gen Zeit
die rau und kalt und hoch geweiht
Ein blinder Mann kehrt‘ spät nach Haus
Da zog sein Hund und wollt‘ hinaus

 

Er hörte wilde Winde weh’n
er hob den Kopf, konnt‘ plötzlich seh’n
Ein Schiff vom Himmel kam im Licht
und fuhr, als hätt' es kein Gewicht

 

Es schwebte sanft herab zur Erd‘
und landete ganz unversehrt
mit Elfen, Tieren und der Frau
Der Mann, er wusste schon genau:

 

‚Frau Holle, rief er, kann Dich seh’n!
So bitte ich, kann's auch gescheh’n,
dass ich in Zukunft wieder schau?‘
Es sprach zu ihm die hohe Frau:

 

‚Ich geb' Dir heute diese Wahl:
schau Glück und Leid ganz ohne Zahl
ein ganzes langes gutes Jahr -
Du kannst auch, wie heut‘ wunderbar

 

in dieser Zeit stets bei uns sein‘.
‚Ich nehm‘ das Jahr und gehe heim!‘
Er sprach entschlossen und ganz froh
Die Tiere seufzten irgendwo

 

"So werde sehend für die Welt,
doch blind für uns – wie’s Dir gefällt!"
Sie strich mit ihrer sanften Hand
ihm über’s Auge und entschwand

 

Sein Hund, der brachte ihn zur Stadt
Kaum kam er zu dem Haus hinab
war’n ihm die Augen aufgetan
Doch blieb zurück ein leiser Gram

 

 

 

 

Nach einer Sage, die ein wenig an den Adventschoral 'Es kommt ein Schiff geladen', erinnert, in dem Maria den Sohn Gottes auf die Erde bringt (Quelle: Hertha Ohling, Im engsten Ringe: Weg in die Weihnachtszeit, 1943).

 

 

 

 

 

 

 

Der nutzlose Strauch

 

 

 

Es war in den geweihten Nächten

Frau Holle ging durchs Menschenland

Sie horchte, was die Zeiten brächten

Sie sah auf alles, was sie fand

 

Sie lauschte dem Gesang der Bienen

der Tiere Atem unter'm Schnee

Sie sah der Menschen stille Mienen

und all der Wesen Glück und Weh

 

Da stand auf der verschneiten Heide

ein kahler, einsam dürrer Strauch

Sie fragte ihn, warum er leide

'Oh Große Mutter, nicht ein Hauch

 

von Sinn und Nutzen wird gefunden

an mir und meiner arm Gestalt

Nicht mal in späten Abenstunden,

wenn draußen alles bitterkalt

 

gebraucht man mich zum Feuern, Heizen!

All Deine Kinder Hasel, Klee,

der Ginster, Flachs und guter Weizen

sie dienen allen - mir ist weh!'

 

Die Holle sagt: 'So soll's geschehen!

Weil Du den Menschen hold und Freund

sollst Du als 'Hollerbusch' hier stehen,

der dunkel reift und schneeweiß träumt'

 

Die Menschen holten ihn zurück

an ihre Häuser, in die Gärten

Er schützte, nährte, brachte Glück

und heilte allerlei Beschwerden

 

 

 

Nach einem deutschen Märchen, überliefert von S. Früh

 

 

 

 

 

 

Holunderblüte © Gina Sanders/Fotolia

 

 

 

 

 

 

 

 

Bevor der Vatergott uns wurd' gebracht ...

 

 

 

 

 

NATURA

 

 

 

 

Wer war die Göttin alter Zeiten,
die man als Hexe sollte meiden
im Namen des Vaters,
des Bischofs und Paters,
dem Gott Israels treu?

 

In jener Zeit, die zwischen den Jahren,
da kommt sie im Sturme gefahren
Sie sichtet das Land
und knüpft das Band
des Lebens neu

 

In dieser Zeit gilt es zu ruh'n,
zusammensein, kein Werk zu tun
Die heilige Leere,
damit Neues werde
im kommenden Jahr

 

Nur unterm Jahr kommt sie verborgen
zu armen Menschen mit Sorgen
Ein gutes Herz,
dann geht's auch vorwärts
mit so manchem Haar

 

Besucht sie einmal einen Reichen,
bekommt auch der ein hohes Zeichen

mit der Liebe nicht spar'n,

das muss er erfahr'n
am untersten Ort

 

Verlorene, die ganz am Ende
nimmt sie in ihren Dienst behende,
um treu zu verseh'n,
was da hat zu gescheh'n
Am End' ist sie dort

 

 

 

 

Die 'Zwölften', die Zeit zwischen dem endenden Sonnenjahr am 21.12. und dem endenden Monat am 31.12. war der Sabbat unserer Vorfahren, die 12 Nächte bis zum Beginn des neuen Jahres am 1.1.


"So manches Haar, so manches gute Jahr" war ein stehender Spruch in Bezug auf die Spindel: wer unter dem Jahr fleißig spinnt, wird auch den Lohn seiner Arbeit bekommen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Rauhnächte

 

 

 

 

 

Wie rau und eisig weht der Wind
Das Land ist weiß und fest gefroren
Ein neues Jahr, das nun beginnt
und neu das Licht, das uns geboren

 

Im Hause sind wir allermeist
Die Arbeit, die Gedanken ruhen
Wir sind bei uns und unser Geist
gilt dem, was kommt mit leisen Schuhen

 

So warm erleuchtet unser Haus
Der Sinn steht uns nach and'ren Dingen
Wir werden still und schau'n  voraus:
Es möge uns noch was gelingen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

A Winter Morning

 

 

 

 

I open the door and see a white blanket
A bright shining light in every ankle
Snow densely 's falling, the sky is unfold
Nobody's there, who's yet feeling cold

I trudge through the snow and feel a soft wind
The chillness is slowly reaching my skin
Trees are enchanted, my breath is severe
Silence is spread - this is, what I hear

I smell the dry air and run down the lane
The fields around me lie bright and plane
I return to my home, I enter the room
Warmth receives me, disappeared has the gloom

 

 

 

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© Jürgen Wagner