Jürgen Wagner
Jürgen Wagner

DIE WELT

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Entstehung der Welt

 

 

 

 

 

 

 

Dass magisch Gott die Welt erschuf

Allein mit seinem Wort und Ruf

So wurd’s in Israel gelehrt

Nur hat sich das nicht ganz bewährt

 

Denn Urgewalten war’n am Werke

Und selbst die Sterne sind noch Zwerge

Im Riesenreich des Weltenraum

Da bleiben wir ein flücht’ger Traum

 

Auch in der langen Erdgeschichte

Sind Menschen erst mal kleine Wichte

Gedauert hat sie Jahrmilliarden

Dann wuchs der große Erdengarten 

 

 

In uns’rem Land hat man gedacht:

Aus Eis und Feuer wurd’s gemacht

Das Leben hier auf dieser Erde

Das war im Ganzen schon die Härte

 

Der Norden war bedeckt von Eis

Der Süden trocken und sehr heiß

Und in der Mitte lebt ein Riese

Mit Namen YMIR auf der Wiese

 

Die Kuh AUDHUMLA war bei ihm

Er trank die Milch, sie nährte ihn

S i e leckte täglich dort die Steine

Bald sah man schon die ersten Beine

 

Dann ganze Wesen, die erwachten

Die sich bewegten, Liebe machten

Drei starke Söhne zeugten sie

Die waren so voll Energie

 

Dass sie YMIR das Leben nahmen

- Da gab's noch keinen festen Rahmen -

So schufen sie aus ihm die Welt

Das Land, das Meer, das Himmelszelt

 

Das Reich der Götter, das der Menschen

- Man wusste auch noch nichts von Grenzen -

Das Reich der Riesen, Elfen, Zwerge

Die Söhne gingen klug zu Werke

 

Die Weltenesche in der Mitte

Sie war das Band und auch die Brücke

Neun Welten war‘n hier angesiedelt

Beschützt von NORNEN - und gezügelt

 

Doch ODIN, VILI, VE, die Götter

Sie waren auch nur kleine Blätter

Am Ast des himmelhohen Strebens

Des mächtig starken Menschenlebens

 

Sie ruhen in der Anderswelt

In dem weiten, feinen Feld

Man kann sie rufen, kann sie bitten

Doch bleib man stets in seiner Mitten

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

ASK UND EMBLA

 

 


 

Sag, ist der Mensch mit den Bäumen verwandt?

Verwurzelt nach unten mit festem Stand

Nach oben zum Licht in den Himmel entfaltet

So strebend wie sie und aufrecht gestaltet?


 

Man könnte es meinen, so sagen die Alten

Es wird auch erzählt von Meeresgewalten

Die spülten einst zwei Stämme ans Land

Man hat sie Ask und Embla genannt


 

Die Esche und Ulme wurden entdeckt

Zu Mann und Frau von den Göttern erweckt

Odin hauchte in sie das Leben

Wili hat die Vernunft gegeben


 

Lodur das Blut und gute Farbe

Da fehlte nur noch eine Aufgabe

Familie zu gründen und sich zu vermehr’n

Von Pflanzen und Tieren sich auch zu ernähr’n


 

Für sie zu sorgen, dass alles gedeiht

Das Land zu bebau’n zu seiner Zeit

So mögen auch wir wie die Wälder leben

In Eintracht und Vielfalt und hohem Streben


 

 

 

 

 

 

Nach der germanischen Mythologie gingen Odin, Hönir/Wili und Loki (Lodur) am Meeresstrande entlang und kamen zu zwei angespülten Bäumen am Meeresstrand, einer Esche und einer Ulme. „Aus diesen beiden Bäumen“, sprach Odin zu seinen Brüdern, „lasst uns Menschen machen, auf dass Midgard, die schöne fruchtbare Erde, von ihnen und ihren Nachkommen bewohnt und bebaut werde und wir an ihrem Tun und Treiben, Ringen und Sterben, Blühen und Gedeihen Freude haben!“


 

So sprach Odin, der Allvater, und sie schufen aus der Esche einen Mann und aus der Ulme ein Weib. Odin verlieh ihnen Geist und Leben, Hönir gab Verstand und Bewegung hinzu, Loki spendete ihnen die Sinne, Gefühle, blühende Farbe und Sprache.


 

So stand das erste Menschenpaar vor den Göttern, und Odin streckte seine Hand aus über Midgard und sprach zu den Neuerschaffenen: „Seht! Dies Land ist eure Heimat! Hier sollt ihr fortan wohnen, Tiere züchten und zähmen, das Land bebauen und die Früchte der Bäume und des Feldes essen – ihr und eure Kinder und Kindeskinder!“ Da folgten sie seinem Gebot; und von ihnen stammen alle Völker germanischer Zunge, welche das weite Midgard bewohnen.


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

DIE RIESEN

 

 


 

Die Alten sprachen viel von ihnen

Die unseren Respekt verdienen

Die Riesenkräfte der Natur

Sind von gewaltiger Statur

 

Die weiße Welt lässt uns erfrieren

Die Bergeshöh' kapitulieren

Hier Feuerzungen, die verzehren

Da Sümpfe, die den Weg verwehren

 

Der Sturmwind packt mal heftig an

Die hohe See schluckt Maus und Mann

Der Wald lässt dich nicht mehr hinaus

Der Erdstoß begräbt Dorf und Haus

 

Doch sind sie nicht nur dumm und mächtig

Denn manche sind auch weise, prächtig

Die Quelle ist fast unerschöpflich

Der Sternenhimmel unermesslich

 

Die Bergeshöhle nimmt dich auf

Der Fluss sucht seinen besten Lauf

Der Wind weht grade, wie er will

Die Abendröte macht dich still

 

Vulkane, Hitze, starke Beben

Die Riesen wird es immer geben

Orkane, Fluten und Gewitter

Nur Menschentorheit, die ist bitter

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

DIE ZWERGE

 

 

 

 

Sie wohnten in Felsen, hausten im Boden

Die Geister der Erde war‘n dort aufgehoben

Sie mieden das Licht, war‘n tüchtige Schmiede

Sie hüteten Schätze und kannten die Liebe

 

Heut finden wir sie in so mancher Geschichte

Die Kinder lieben die freundlichen Wichte

Weißbärtig und nett steh’n sie in den Gärten

Doch ungeliebt kann man auch bösartig werden

 

Die kleinen Leut‘ hat man oft unterschätzt

Mit Buckel, Krummnase, Bauch, untersetzt

Nicht mal ein Gott kann die Werke vollbringen

Die Kräfte der Erde schaffen magische Dinge!

 

 

 

 

 

Die Zwerge sind in der germanischen Mythologie älter als die Menschen. Sie entstanden zur Urzeit aus den Maden, die sich im verwesenden Leichnam des Urriesen Ymirs gebildet hatten. Damit ist ihr abstoßendes Äußeres schon vorgegeben. Daneben schrieb man ihnen auch noch einen bösen, habgierigen und listigen Charakter zu. Es gab aber unter ihnen die gutmütigen und freundlichen genauso wie die hässlichen und gemeinen. Bekannt sind sie als geschickte Handwerker, die in der Lage sind, magische Gegenstände herzustellen. Thor verdankt ihnen seinen Hammer, Freya ihren Halsschmuck, Odin seinen Ring und seinen Speer, die Fessel des Fenriswolfes ist eine Zwergenarbeit, sogar der Dichtermet verdankt sich dem Blut eines Zwerges (Kvasir).

 

Sie wohnen in der Erde und brauchen ihr Dunkel. Sonnenlicht scheuen und meiden sie. Sie sind überwiegend männlich, nur ein einziger von 200 Namen in der Edda ist weiblich. Die Zwerge sind Bewohner der Anderswelt wie die Götter auch. Das christliche Mittelalter hat sie später dämonisiert: sie würden das Glockengeläut nicht ertragen etc. 

 

 

 

 

 

 

 

ALWIS

 

 

 

 

Er war der Wissendste aller Zwerge

Im Fels war sein Haus tief unter der Erde

Die Tochter des THOR, sie wurd‘ ihm versprochen

Als der Vater heimkehrte, hat er widersprochen:

 

„Bevor meine THRUD sich ins Erdreich begibt

Einen Zwergen heiratet, umsorgt und liebt

Will ich dich prüfen mit einigen Fragen

Du sollst mir alle die Namen sagen

 

Die in den Welten gebräuchlich sind

Von Himmel und Erde, Wolken und Wind!“

Er tat’s ohne Fehl, die Nacht ging dahin

Und THOR war begeistert und hielt ihn hin

 

Mit Frage um Frage. Ohne Misstrau‘n

Erwiderte der bis zum Morgengrau‘n

Der erste Sonnenstrahl fiel da herein

Und ALWIS, der Zwerg, erstarrte zu Stein

 

 

 

 

 

Dem Zwerg ALWIS (der ‚Allweise‘) war in Abwesenheit THORS von den Göttern dessen Tochter Trudh als Gegenleistung für die von ihm geschmiedeten Waffen versprochen worden. Der Donnergott verwickelt den unerwünschten Schwiegersohn in einen Wissenstest, von dessen Ausgang er die Übergabe seiner Tochter abhängig macht. ALWIS soll verschiedene Elemente und Ereignisse der Natur bei Menschen, Göttern, Alben, Zwergen und Riesen benennen. Treu beantwortet ALWIS alle Fragen und vergisst darüber die Zeit. Als die ersten Sonnenstrahlen in die Hallen Asgards fallen, erstarrt der betrogene Zwerg zu Stein. Im Gegensatz zu seinem Vater ODIN im Wafthrudnir-Lied siegt THOR nicht durch Wissen, sondern durch List.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

WIE IST DIE WELT?

 

 

 

Die Welt, sie ist, man glaubt es kaum

Die Alten sagten: wie ein Baum

Die Unterwelt ganz tief verborgen

Da sind die Wurzeln, ist’s geworden

 

Die Mittelwelt am hellen Tage

Schenkt einen Becher Glück und Plage

Die Himmelswelt ist lichtvoll prächtig

Die Geistesblitz kommt fein, doch mächtig

 

Am Fuß des Baum's sind wir ein Zwerg

Was zählt schon unser kleines Werk?

Was können wir am Weltgang ändern

Wir kleine Bürger an den Rändern?

 

Wir sind die, die den Baum begießen

Wir sind die Blätter, die grün sprießen

Wir sind der Drache, der da nagt

Sind auch die Krankheit, die ihn plagt

 

Die Runen sprechen, deuten still

Sie zeigen, was da werden will

So lang wir diese Erde hegen

Gibt uns der Weltenbaum den Segen

 

 

 

 

MIMIRS BRUNNEN


 

 

Am Fuß des Weltenbaumes

Entspringt ein kühler Quell

Bewacht von einem Riesen

Im Geiste klar und hell

 

Den muss man überzeugen

Dass man auch würdig ist

Von diesem Brunn zu trinken

Der in der Stille spricht

 

Ein Schluck von seinem Wasser -

Der Geist wird ruhig und klar

So kann man leicht erkennen

Was falsch ist - und was wahr

 

Dem Riesen etwas opfern

Von seiner äuß’ren Welt

Das ist der Weg nach innen

Allein auf sich gestellt

 

Ein Aug schaut so nach innen

Ein Ohr hört, was da spricht

Ein Auge schaut nach draußen

Und liebt das Angesicht

 

 

 

 

 

Der Urbrunnen in der nordischen Mythologie birgt die Wasser, die den Weltenbaum tränken. Er ist die Lebensgrundlage schlechthin. Auch in der Bibel erscheinen die Lebenswasser und der Lebensbaum dicht beeinander (1. Mose 2/9ff, Ofb 22/14.17). Der mythische Brunnen wird in der Edda dreifach entfaltet:

 

- als Schöpfungsbrunnen Hvergelmir, der Wasser und Leben gibt


- als Schicksals- oder Urdbrunnen, an dem die Nornen weilen, die Schicksalsfäden spinnen und den Weltenbaum gießen


- als Brunnen Mimirs, Quelle der Weisheit und des Wissens.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

DAS THING

 


Die Götter kamen jeden Tag

Zum Weltenbaum und hielten Rat

In seinem Schatten wurd erwogen

Und Schlüsse dann daraus gezogen

 

Die Nornen luden dazu ein

Denn Frauen m u s s t e n dabei sein

Dem Frieden eine Chance zu geben

Damit auch alle danach streben

 

So hielt man es denn auch auf Erden

Gerechtigkeit soll sein und werden

Man traf sich unter freiem Himmel

Weit weg von allem Kriegsgetümmel

 

Besprach sich unter einem Baum

Ein jeder hielt sich dort im Zaum

Hielt Thing nach alter Götter Sitte

Sprach Recht, beriet die nächsten Schritte

 

 

 

 

 

 

Ein Thing war eine Volks- und Gerichtsversammlung nach altem germanischen Recht. Die Thingstätte lag häufig etwas erhöht oder unter einem Baum, aber immer unter freiem Himmel. Die dort verhandelte Sache wurde im Neudeutschen zum ‚Ding‘ (engl. ‚thing‘). Mit der Eröffnung der Versammlung wurde der Thingfriede ausgerufen. Als Schutzherr des Things galt der altgermanische Gott TYR. In vorchristlicher Zeit sollen Thingplätze auch kultischen Zwecken gedient haben.

 

 

 

 

Gerichtslinde in Göttingen

 

 

 

 

 

 

 

 

DREI FEINDE

 

 

 

 

Drei Feinde kennt die alte Welt

Von denen man nicht gern erzählt

Als Kinder eines Paars von Riesen

Da glichen sie an Kraft auch diesen

 

Ihr Vater LOKI war sehr schlau

Angrboda eine Riesenfrau

Auch ihre Kinder brachten Ängste

Die Gefahr, die wurd‘ die längste

 

Die Schlange wohnt im tiefen Meer

Als Drache fürchtet man sie sehr

Doch nimmt man mal die Ängste weg

Erfüllt sie ihren guten Zweck

 

Die Kraft, die in den Tiefen wohnt

Die, wenn sie steigt, niemand verschont

Die, wenn sie ruht, uns reich beschenkt

Mit Friedensmacht uneingeschränkt

 

Der Wolf, das ist der zweite Feind

Der in der Seele dir erscheint

Er reißt und frisst, was er grad findet

Wohl dem, der ihn bezähmt und bindet

 

Als letztes wartet dann der Tod

Die HEL beendet alle Not

Doch auch das Glück, die Lebensfreud

Das Totenreich die Sonne scheut

 

 

 

 

 

Angrboda, die „Angstbotin“, -bringerin, war die Mutter, Loki, „der Luftige" der Vater der drei Kinder, die die alten Germanen fürchteten. Mit der Riesin zeugte Loki drei Kinder, die, nach einer Prophezeiung, sich einst am Ende der Zeiten erheben und das Ende der alten Götter und Welt einläuten werden: die Midgardschlange, der Fenriswolf und die Totengöttin HEL.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

DIE MIDGARDSCHLANGE

 

 

 

Das feste Land, das grenzt ans Meer

Von dort kommt alles Leben her

Für uns ist das nicht ungefährlich

Und eine Seefahrt meist beschwerlich

 

 

Die Schlange, sagte man, lebt dort

Tief unten in dem Meereshort

Der THOR, der wollte sie da angeln

An Kraft und Mut tat's ihm nicht mangeln

 

Mit einem Ochsenkopf als Köder

So ging er vor, der Schwerenöter

Und s i e biss an und schoss herauf

E r sprang zurück - und gleich darauf

 

Trat er durch's Boot hindurch auf Grund

Die Schlange öffnete den Schlund

Doch er stand fest und griff zum Hammer

Er holte aus, doch welch ein Jammer

 

Der Riese war noch etwas schneller

Wahrscheinlich auch bedeutend heller

Dem HYMIR es zu danken ist

Dass er die Angelschnur durchschnitt

 

Dem Meere seine Wildheit ließ.

Denn niemand uns zu angeln hieß

Nach solchen Kräften, giftig-rohen

Die dann und wann uns arg bedrohen


 

Die Schlange fuhr zurück ins Meer.

Es kommt ja nicht von ungefähr

Dass wir bewahrt sind in den Grenzen

Die uns gegeben sind als Menschen

 

Ja, uns're Welt, die ist gefährdet!

Wenn man das Leben hoch bewertet

Wird man das Seine dazu tun

Dass wir im Frieden in uns ruh'n

 

 

 

 

 

 

In vielen Traditionen gibt es die große Schlange, den Meeresdrachen. Bei unseren Vorfahren war es die Midgardschlange, die in den Urwassern die Welt umgab und sich wieder in den Schwanz beißt. Sie war Trägerin von Urängsten und Spiegel der Gefahren, die den Menschen und seine Welt gefährden. Sie ist ein Ursymbol der Lebenskraft, der Heilung, wie auch der Bedrohung - und zugleich ein reales Tier, das viele Ängste in uns weckt. Die Mythen unserer Vorfahren sahen in der Schlange eine tödliche Gefahr: im Ozean schlummert sie und umgibt uns vollständig. Der erste 'Drachentöter' war THOR, der sich einmal richtig mit ihre angelegt hat. Er fuhr mit dem Riesen Hymir in einem Boot auf's Meer hinaus und warf seine Angel aus ...

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

DER FENRISWOLF

 

 

 

 

D e n Wolf, den kann man leise ahnen

Der gerne ausbricht aus den Bahnen

Umherstreift, frisst, was er grad findet

Sich nirgendwo so richtig bindet

 

Ein junges Lamm, ein zartes Reh

‚Das junge Ding ich gerne seh!‘

Ein Hirsch, ein Hase, ein Fasan

‚Ich folge meinen Speiseplan‘

 

In Banden ist er schon verträglich

Da heult er, ist er gar nicht schädlich

Entfesselt aber – weh dem Land!

Da ist er außer Rand und Band

 

Zuletzt, da muss er selber sterben

Ereilt ihn selbst jenes Verderben

Nur reißen, fressen und verzehren –

Er sollt auch seine Seele nähren

 

 

 

 

 

 

So wie die Menschen Ahnungen haben vom Werden und von der Entstehung der Welt, so haben sie auch Ahnungen von ihrem Vergehen. Ein anderes Tier, das wie die Schlange Urängste in uns weckt, ist der Wolf. Der mythische Wolf ist nicht das schamanische Krafttier, auch nicht der reale Wolf, der durch die Wälder streift.  Der Fenriswolf ist das, was unsere Ängste aus ihm gemacht haben. Er ist von seiner Bedeutung her der ‚Sumpfwolf‘. Es sind die unheimlichen Tiefen der Seele und der Welt, die hier berührt sind. Die sumpfigen Gewässer können alles verschlingen, sie können aber auch wieder neues Leben hervorbringen.

 

Im Mythos ist es eine Prophezeiung, die dazu führt, dass er gebunden und gefesselt wird – und sich dann einst losreißen und kämpfen wird. Als solche muss er auch ein Stück anerkannt werden als etwas, das in der Tiefe unserer Seele und der Welt schlummert, die unter bestimmten Umständen auch entfesselt werden kann, wie wir das in 2 Weltkriegen z.B. direkt erlebt haben.

 

 

 

 

Vidar im Maul des Fenrir 1908

 

WIE KAM DAS ÜBEL IN DIE WELT?

 

 

 


 

Das Übel kam in uns're Welt

Im Orient hatte man's erzählt

Durch eine Frucht an einem Baum

'Erkenntnis' heißt der Menschheitstraum


 

Im Westen hat man festgestellt

Durch einen Riesen stirbt die Welt

Die Klugheit wird auch hier zum Sünder

Der LOKI ist's - und seine Kinder


 

E r ist der Geist als Urgewalt

Der oftmals wechselt die Gestalt

Der immer sucht - und immer findet

Und sich an keine Ethik bindet


 

Die Klugheit ist ein hohes Gut

Ein Überlebensattribut

Der 'Homo sapiens' hat die Macht

S i e hat uns alles das gebracht


 

Den Keil, das Rad, die Axt, das Schwert

Die Schrift, das Glas, die Uhr, den Herd

Das Netz, den Fotoapparat

Die Säge und das Glyphosat


 

Man kann das Übel überwinden

Und kann auch etwas Bess'res finden

Man kann mit seinen Gaben dienen

Dem Wohl der Wesen - und dem Frieden


 


 

Anm.: Der Riese LOKI wurde in der nordisch-germanischen Mythologie von ODIN in einer Blutsbrüderschaft in die Götterwelt aufgenommen und diente ihr mit seiner Findigkeit und seinem Scharfsinn, schadete ihr aber auch durch sein rücksichtsloses Verhalten. Letztlich haben sie ihn wieder ausgeschlossen und an einen Felsen geschmiedet. Doch am Ende rächt sich alles doch, denn er und seine Kinder (der Fenriswolf und die Midgardschlange) reißen sich los und führen den Untergang der bestehenden Welt herbei.


 

In der jüdisch-christlichen Tradition läuft es nicht so viel anders. Die Urversuchung am Erkenntnisbaum mit seiner klugen Schlange führt zu einem katastrophalen Ende (Offenbarung Johannes) und einem Neuanfang.


 

 

 

 

 

 

Bild: Loki auf dem Snaptunstein, 1000 n.Chr., Dänemark

 

 

 

 

 

 

 

 

 

RAGNARÖK

 

 

 

 

Wenn ganze Völker sich bewegen

Sie wandern und nach Neuland streben

Das Land mit Kriegen überziehen

Es plündern, so dass viele fliehen

 

Da fühlt man schon ein Weltenende

Und glaubt fast nicht mehr an die Wende

Da musst was Neues aufersteh’n

Im Frankenreich hat man’s geseh’n

 

 

 

 

Wenn jährlich viele Arten sterben

Menschen selbst das Meer verderben

Wenn große Regenwälder brennen

Und viele um ihr Leben rennen

 

Wenn die Insekten hier verschwinden

Und Menschen nichts dabei empfinden

Wenn sich das Klima drastisch ändert

Ein jeder nur zum Shoppen schlendert

 

Wenn nun die Pole schneller schmelzen

Und sich die Meeresfluten wälzen

Wenn sich die Menschheit weiter mehrt

Und wohl bald alles hier verzehrt

 

Dann fühlt man auch ein Weltenende

Und glaubt fast nicht mehr an die Wende

Da w i rd  es Katastrophen geben

Und einen Ausgleich, Überleben

 

 

 

 

Ragnarök ist das Endschicksal der Götter, der Untergang der Welt(en). Das Ende kündigt sich durch Katastrophen und gesellschaftliche Veränderungen an: ein dreijähriger Fimbulwinter, Ehebruch und Mord innerhalb der Sippen, die Weltenesche fällt, die Erde versinkt im Meer, die Sonne verlöscht. Die Hauptgötter der Germanen sterben in den Ragnarök durch die schon vorher bekämpften Mächte des "Chaos". Die Erneuerung der Welt wird durch das Überleben der Söhne der alten Götter dargestellt. Auch zwei Menschen, Lif und Lifthrasir, überleben und von ihnen stammen die neuen Menschen ab.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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