Jürgen Wagner
Jürgen Wagner

Vögel

 

 

 

 

 

Vor 365 Millionen Jahren bildeten einige Tiere des Wassers Füsse aus, mit denen sie auf dem Sumpfboden gehen konnten. irgendwann taten sie den Schritt an Land. Manche blieben - wie die Lurche, Flusspferde, Krokodile - dem Wasser treu, andere überließen sich ganz dem festen Boden unter den Füssen, fanden zu einer rhythmischen Fortbewegung und einer Atmung, die den Sauerstoff nicht mehr aus dem Wasser herausfiltern, sondern direkt der Luft entnehmen konnte.

 

Einen vergleichbaren riesigen Entwicklungssprung schafften wohl kleine Raubdinosaurier vor ca. 170 Millionen Jahren. Sie eroberten das Luftelement, indem sie sich ihm immer mehr anvertrauten. Dazu mussten sie allerdings ihren Körperbau und die Fortbewegung fast gänzlich umstellen. Aus Schuppen  wurden Federn, die Fortpflanzung über das Eierlegen behielten sie bei. Warum sie das getan haben, mag man ahnen. Man kann den Vögeln die ekstatische Freude abspüren, die sie beim Fliegen erleben, besonders im Schwarm. Wir Menschen haben ja unseren eigenen Traum vom Fliegen und haben ihn mit Hilfe technischer Hilfsmittel vewirklicht. Schon beim schnellen Laufen oder beim Springen gibt es ja Anfänge dieser glückseligen Erfahrungen, wenn man sich etwas von der natürlichen Schwere löst. Ob sich die ersten Flieger im Jura aus Bodenläufern oder Baumspringern entwickelt haben, ist nicht geklärt.

 

Die Vögel haben für uns Menschen eine besondere Bedeutung, konkret, aber auch symbolisch. Ihr Luftreich ist analog zu unserem menschlichen Reich des Geistes. Es sind die Erfahrungen der Freiheit, des Sehens im Abstand, auch relativer Sicherheit, die uns hier verbinden. Die Musik ist uns gemeinsam, Lobpreis und Poesie. So wundert es nicht, dass der Vogel auch ein Symbol der Seele und ihrer Reise geworden ist. In Mythen und Märchen kann er Begleiter sein, Helfer, Überbringer von Botschaften, eine verwandelte Gestalt.

 

Manche Vögel haben eine ausgesprochene Schicksalsgeschichte mit dem Menschen, z.B. der Rabe Raben nährten den Propheten Elia,  zwei Raben berieten Odin; und dennoch wurde der intelligente, schwarze und krächzende Vogel in Mitteleuropa zum Boten des Todes und fast ausgerottet. Obwohl er ein ausgeprägtes Sozialverhalten hat, gelten nachlässige menschliche Eltern noch heute als 'Rabenväter' oder 'Rabenmütter'. Wir haben auf so manche Tiere Projektionen gelegt, die bei näherem Hinsehen einfach nicht  stimmen: die dummen Gänse, das dreckige Schwein, der störrische Esel, der Angsthase, das einfältige Schaf,  der verschlagene Wolf u.a.m.

 

 

 

 

 

Das bekannteste Bindeglied zwischen den Reptilien und den Vögeln ist der Archaeopteryx - hier eine Lebend-Rekonstruktion

 

 

 

 

 

 

 

 

Himmelhoch

 

 

 

 

Ich sehe Vögel sehr hoch kreisen
Und hab keine Worte, das zu preisen
Wie gerne wär' ich mit ihnen dort
Und ließe mich tragen fort und fort

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Marabu

 

 

 

 

Der Marabu, der Marabu

Der schreitet würdig immerzu

Auf hohen Beinen er stelziert

Ich glaube fast, er hat studiert

 

Schwarzblauer Frack und weiße Beine

So weite Schwingen, Federn feine

Mit rotem Schopf und langem Schnabel

Als stamme er aus einer Fabel

 

 

Du siehst ihn steh'n - und du entspannst!

Es ist ein Tier ganz ohne Angst

Es nährt sich gern von totem Getier

Und reinigt von Abfall das ganze Revier

 

 

 

 

 

 

Der Marabu ist die größte Storchenart. Sie ist in Afrika und Südostasien verbreitet. Er hat wie die Geier ein schlechtes Image, da er hauptsächlich von Aas lebt und aus hygienischen Gründen keine Kopffedern hat. In manchen Gegenden kommt er bis an die Häuser der Menschen. Wenn er bittet, bekommt er oft auch etwas, denn er beseitigt überall viel Abfall und Kadaver und frißt Schädlinge. Zur Paarungszeit bläht er seinen Kehlsack auf, der eine rötliche Färbung annimmt. Sein gemessenes Schreiten und seine riesige Flügelweite bis zu 3 m machen ihn zu einem sehr individuellen Wesen, dessen Klugheit Jäger erfahren, da er die Schußweite ermessen kann und sich stets jenseits ihrer aufhält.

 

 

 

 

 

Der Schopfibis/Waldrapp repräsentierte im Alten Ägypten den Ahnengeist, der nach dem Tode aufsteigt und, wenn er rein ist, als strahlender Stern auch den nächsten Generationen noch helfen kann. Hatte dieser Vogel als Symbol der Geistseele einst höchste Wertschätzung erfahren, wurde er in späteren Zeiten erbarmungslos gejagt. Schon im 17. Jh. verschwand er aus Europa. Heute gehört er mit ein paar wenigen Kolonien weltweit zu den bedrohtesten Tierarten, die hier und da in Zoos anzutreffen sind und versuchsweise ausgewildert werden. Dazu muss dieser Zugvogel aber erst einmal seine Routen ins Winterquartier wieder lernen - was dann ein Leichtflugzeug übernimmt. So wachsen auch innige Bindungen zwischen diesem Vogel und dem Menschen.

 

 

Ausgeprägt ist seine Geselligkeit. Er brütet nur in Kolonien, nie als Einzelpaar. Wenn die Vögel dort nach tagelangen Flügen um den Ruhefelsen ihren Partner gefunden haben, werfen Männchen wie Weibchen den Kopf mit aufgestelltem Schopf in den Nacken und verbeugen sich dann unter lauten Chrup Chrup-Rufen voreinander. Dabei wird dem Gegenüber die individuelle Kopfzeichnung präsentiert.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bussardfeder

 

 

 

 

Die Feder aus dem Bussardkleid
ich hob sie auf mit Dankbarkeit,
mit Ehrfurcht und mit großem Staunen
Was für ein Glück! hör ich mich raunen

So kraftvoll weich, so strukturiert
So kunstvoll, braun und weiß verziert
Das ist mir schon ein leises Zeichen
aus höheren und and'ren Reichen

So oft sah ich sie oben kreisen
Mit ihnen ging ich gern auf Reisen
Ein kleiner Gruß ist da gekommen
Ich habe ihren Ruf vernommen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Waldnacht

 

 

 

Am Fuß der Buche
ist die Nacht durchdringend still
Die Zeit der Eule

 

 

 

 

 

 

 

 

Starenschwärme

 

 

 

Ich denk an die Schwärme
die früher hier flogen

erinner' noch heute
die tanzenden Wogen,

 

die den Himmel einschwärzten
Formationen vollbrachten
die Menschen verzückten
was immer sie machten

 

Man spürte das Leben,
Ekstase und Fliegen
Gemeinschaft und Freiheit,
Intuition und Vergnügen

 

 

 

 

Junger Mauersegler © Natalia Schwarz - Fotolia

 

 

Mauersegler

 

 

 

 

 

Huiiiirhh, huiiiirhh, huiiiirhh
Die Lüfte vibrieren
Sie zelebrieren
Ekstase pur

 

Srieh, srieh, srieh
Sie schlafen im Fliegen
sie rasen und stieben
in einer Tour

 

Sisisisi, sisisisi, sisisisi
Sie reisen nach Süden
und ohne Ermüden
mit innerer Uhr

 

Swii-rii, swii-rii, swii-rii
Sie kehren zurück
Oh welch ein Glück!
Man staune nur

 

 

 

 

 

In Mitteleuropa sind Mauersegler relativ häufig anzutreffen, wo sie unter den Dächern hoher Häuser nisten und brüten. Dort haben sie sich der menschlichen Umgebung angepasst. Sie sind an diesen geschützten Orten sehr innig miteinander. In den Wintermonaten fliegen sie um die halbe Welt ins südliche Afrika, wo es dann wieder reichlich Insekten gibt, von denen sie sich ernähren. Mauersegler sind oft monatelang nur in der Luft, schlafen und paaren sich sogar dort. Sie sind extrem an ein Leben in der Luft angepasst und erreichen dort Geschwindigkeiten von über 200 km/h. An Land sind sie eher unbeholfen. Ende April/Anfang Mai kehren sie dann nach Europa zurück an ihre alten Nistplätze. Sie lassen ihre Stimme gerne hören, die sehr hoch ist, aber für den Menschen gut hörbar. Ein junger Mauersegler, der flügge wird, hat nur einen einzigen Flugversuch: bleibt er in der Luft, lebt er, fällt er zu Boden, kann er sich nicht mehr erheben. In Städten wie Bielefeld rückt dann auch schon mal die Feuerwehr an, um ein Mauerseglerkind wieder ins Nest zu setzen und ihm eine zweite Chance zu ermöglichen. (Mauersegler sind nicht mit den Schwalben verwandt, obwohl beide vieles gemeinsam haben).

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Graugänse

 

 

 

 

Sie brüten an Seen und ziehen in Höh'n
G
en Süden sie fahren in großen Scharen

Und kommen sie wieder mit schwachen Gliedern
So nisten sie, brüten. Sorgsam hüten

 

 sie ihren Nachwuchs zu zweit. Bald ist es so weit
Die Jungen schlüpfen, die Eltern schützen

den Kindergarten. Bei ersten Ausfahrten
ist Mutter voran, ganz hinten der Mann

 

Gefahr droht von Feinden, die muss man vertreiben
durch lautes Schnattern und heftiges Flattern

Viel Gräser gibt's hier im Sommerquartier:
Die erste Speise für die herbstliche Reise

 

 

 

 

Die Graugänse sind Zugvögel und die Vorfahren unserer gezähmten Hausgänse. Graugänse werden ca. 20 Jahre alt und bleiben mit ihrem Partner, wenn möglich, ein Leben lang zusammen. Der Ruf der Wild- und Hausgänse ist phonetisch derselbe geblieben (gra gra), aber hört man genau hin, haben die Hausgänse ihre Wildheit und Freiheit deutlich eingebüßt. Das Brüten und die Aufzucht ist von März bis Juni. Kommt ein Seeadler oder Milan in die Nähe der Jungen, steigen die Gänse zusammen auf und verwirren ihn mit einem Riesengeschrei. Die Küken, die überleben, werden schon im Herbst ins Winterquartier mitfliegen. Durch die herrliche V-Formation, wo man sich auch abwechselt, sparen alle Energie - sie ist aerodynamisch leichter zu fliegen als die lose Gruppe. So legen sie (zwei Mal im Jahr) eine bis zu 6000 km lange Strecke zurück.

 

 

 

 

 

 

 

 

Der große Strom

fließt auch hier

Migranten im braunen Federkleid!

 

 

 

 

Nilgänse sind leicht zu erkennen an ihrem braunen Augenring. Sie sind Neubürger bei uns. Ursprünglich Afrikaner und Nil-Ansässige entflohen einige Vögel ihren Zier-Gehegen in Europa und breiteten sich frei aus, seit den 1990er Jahren auch in Deutschland. Gefährlich sind sie nicht, hin und wieder aber aggressiv in ihrem Revier und ihr Kot ist etwas unangenehm in den Parks. Sie breiten sich schnell aus, werden aber auch als 'Eindringlinge' stark beäugt und bejagt.

Nilgänse waren einst in Theben als heilige Vögel dem Schöpfergott Amun gewidmet. Sein 'Gegacker' bzw. sein 'Ei' brachte die Welt hervor.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Kohlmeise

 

 

 

Gelb ist der Bauch, blaugrau das Gefieder
Schwarz ein Strich - und hoch ihre Lieder
Hwiezi hwiezi hwiezi tönt es im Garten
Von der häufigsten aller Meisenarten

Traut sich nah an uns Menschen heran
Nistet in Kästen, die Frau mit dem Mann
Bringen bis zu zwölf Junge zur Welt
Was sie vor große Aufgaben stellt

Sammelt Läuse und Raupen von Zweigen
Hungrig die Jungen, kaum zu beschreiben!
Kohlschwarz wird der Kopf - und weiß die Wange
Hoffentlich weilt sie bei uns noch sehr lange

 

 

 

 

 

Die Kohlmeise ist nicht nur die größte und häufigste heimische Meisenart, sondern auch die intelligenteste und anpassungsfähigste. Das geht bis hinein in ihren typischen Gesang, der variiert werden und auch mal Handytöne imitieren kann. Der oft reiche Nachwuchs hat einen Riesenappetit, so dass die Eltern in der Aufzucht pausenlos im Stress und nur noch mit Insektenfang beschäftigt sind. Sie sind dabei selber manchmal magerer sind als ihre Jungen. Gut eine Woche nach dem Schlüpfen öffnen diese ihre Augen und haben dann schon ein Federkleid. Im Winter werden die Meisen gerne auch Vegetarier, suchen die Futterhäuser auf und nähren sich von Nüssen und Kernen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die heutigen Haushühner stammen alle vom Bankivahuhn ab, das heute noch in Asien wild lebt. Es lebt in Herden, hat eine Hackordnung und ist eher Kurzstreckenflieger. Es verbringt den halben Tag mit Nahrungssuche und legt im Jahr etwa 20 Eier. Durch Züchtungen entstanden die heutigen Rassen.

 

 

 

Das Huhn

 

 

 

Der Mensch, er wollt‘ auch Vögel essen

Und gab dem Huhn sehr viel zu fressen

Gewöhnte es an Erd‘ und Boden

Sein Freiheitstrieb war fast verflogen

 

Es fand die Körner, all die dicken

Begnügte sich alsbald mit Picken

Wurd‘ immer größer, immer schwerer

immer fetter auch und träger

 

Aöckh, aöckh, so geht’s den ganzen Tag

 Es läuft herum und wird besamt

Und kommt dann auf den Sonntagstisch

Das Fleisch ist doch erstaunlich frisch

 

Es kam in enge Batterien

die auf viel, viel Eier zielen

Die Würde hat es längst verloren

Es wurd' zum dummen Huhn erkoren

 

 

 

 

 

 

 

              Wellensittiche © Martina Berg - Fotolia.com

 

 

 

 

 

Sittiche

 

 

 

 

Sie turteln, necken

Sie schauen, sprechen

Würd‘ ich sie lieben

Ließ' ich sie wohl fliegen

 

 

 

 

 

                                                             Kaiserpinguine   © Silver/fotolia

 

 

 

Pinguine

 

 

 

 

Die Leute im schwarz-weißen Frack

Sie sind im Wasser schwer auf Zack

Sind pfeilschnell unten auf der Jagd

Und doch von Kälte kaum geplagt

 

Aus Fett und Federn ist ihr Kleid

Schützt sie vor kalter Grausamkeit

Sie watscheln sicher über's Eis

In diesem Land so ewig weiss

 

Sie steh'n in großen Kolonien

Um ihren Nachwuchs aufzuzieh’n

Das Ei zu legen, auszubrüten

Das Junge sicher zu behüten

 

Es bleibt erst mal im Kindergarten

Die Eltern jagen - und sie warten

Bis sie ihr Futter dann bekommen

Denn selbst sind sie noch nicht geschwommen

 

Ins große Meer wird es bald geh'n

Da werden sie es selber seh'n

Wie's ist, als Vogel dort zu schwimmen

Ein eig'nes Leben zu beginnen

 

 

 

 

 

 

 

                              Junge Kaiserpinguine © silver-fotolia

 

 

 

Pinguine gehören zu den erstaunlichsten Vögeln der Erde: sie haben die Evolution quasi rückwärts beschritten und sind auf das Land und vor allem ins Wasser zurückgekehrt, an das sie sich herausragend angepasst haben. Und ebenso hervorragend haben sie sich an ein ständiges Leben in eisiger Kälte gewöhnt. Sie verlassen das Wasser nur zum Brüten oder wenn sie in der Mauser sind. Sie haben eine perfekte Stromlinienform, benützen die Flügel als Flossen, die Füße als Ruder. Ihr mehrschichtiges Federkleid liegt über einer 2-3 cm starken Fettschicht, die sie zusammen wie ein Taucheranzug vor dem kalten Wasser schützt. Warum sie zumeist in der kältesten und unwirtlichsten Region der Antarktis leben, mag an den nährstoffreichen kalten Gewässern liegen. Bauchseitig weiß, rückseitig schwarz sind sie ans Wasser optimal angepasst. Sowohl ihre Bewegungsart unter Wasser wie auch ihr Watschelgang an Land ist sehr energiesparend, so dass sie große Entfernungen bewältigen können, auch an Land. Pinguine sind nicht nur im Wasser, sondern auch an Land sehr gesellige Tiere. Insbesondere die Eiablage, Brut und die weitere Aufzucht der Jungen finden bei vielen Arten synchron in großen Brutkolonien statt, die im Extremfall bis zu fünf Millionen Tiere umfassen können. Ihr Aussehen erinnert viele an einen Mann, der schwarzen Frack mit weißem Hemd trägt.

Dass sie uns so nahe sind dürfte auch daran liegen, dass sie eine der wenigen Tierarten sind, die, wie wir, auf zwei Beinen zu gehen vermögen. Sie sind auch die einzige Tierart, die keinen Fluchtinstinkt vor dem Menschen hat.

Durch das Schmelzen des Eises, durch Ölverschmutzungen und Überfischungen sind auch sie im Überleben bedroht.

 

 

 

 

 

 

Druckversion Druckversion | Sitemap
© Jürgen Wagner