Jürgen Wagner
Jürgen Wagner

 

 

 

Tod und Auferstehung/Wiedergeburt

 

 

 

 

 

Man sah das Leben einmal als einen Faden, der auf kunstvolle Weise gesponnen wird – und irgendwann dann auch ans Ende kommt. Er liegt, so stelle man sich vor, in der Hand von drei Frauen. Die erste Frau sitzt an der Spindel und spinnt den Faden, die zweite schaut nach der Länge und Qualität, die dritte schneidet ihn zuletzt ab. Diese drei nannte man die Moiren (Parzen).

 

 

 

 

 

Die Nornen spinnen am Weltenrad © Voenix

 

 

 

 

 

                                 Die Trinität, gemalt von Rublev

 

 

 

 

 

 

 

Im Christentum gibt es das männliche Äquivalent: der Vatergott, der uns erschuf, der Sohn, der uns erlöst und der Geist, der uns führt und heimbringt.  Ob wir die hingebungsvolle Arbeit von drei Frauen betrachten oder das schaffende Zusammenwirken von Vater, Sohn und Geist: es ist ein Anfang, eine Entwicklung und ein Ende, das unser Leben ausmacht. Und die Hoffnung, dass der Faden noch einmal aufgenommen wird.

 

 

 

 

 

 

                                                Olivenbaumgruppe © Barbara Dedié (mfE.)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 
 
 
 
Im Osten
steigt das Himmelsfeuer
in einen neuen Tag
 
 
 
 
Die Herkunft des Wortes 'Ostern' ist unsicher. Man leitet es entweder von Eostra, einer Göttin der Morgenröte ab oder von Osten, der Himmelsrichtung des Sonnenaufgangs. 

 

 

 

 

 

 

Tod und Wiedergeburt

- eine Erinnerung an Frau Holle

 
 
 

Wenn das letzte Lied verklungen
Wenn das schöne Glas zersprungen
Wenn die Stunde hat geschlagen
Wenn's uns geht an jenen Kragen

 

Wenn die Lampe ist erloschen
Wenn die Vase jäh zerbrochen
Wenn der Baum ist mal gefallen
Wenn’s uns geht, wie vor uns allen

 

Geht’s durch jenen alten Brunnen
In den keiner gern gesprungen
Vielleicht auf eine grüne Wiese
In die Welt, die nicht mehr diese

 

Geht's den Weg, der vorgezeichnet
Der schon lange Zeit bereitet
Führt's ans Haus der großen Alten
Finden Ruhe, dürfen walten

 

Dienen allen Weltgesetzen
Ohne Plagen, ohne Hetzen
Spür'n die Sehnsucht doch auch wieder
zurückzukehr'n, hernieder

 

Gehen durch das güld'ne Tor
und vergessen alles, was zuvor
Werden noch mal neu geboren
und vielleicht in Lieb' erkoren

 

Dürfen wieder neu beginnen
Und das Lied von neuem singen
Und die Blume mag erblühen
Und die Glut von neuem glühen

 

Auf dem Tisch die neue Vase
In dem Schrank das neue Glase
Bäumchen wächst heran beizeiten
Die große Mutter wird es leiten

 

Tod und Wiedergeburt - Frau Holle - Sprecher: Max Berghaus, Musik: JW
Frau Holle.mp3
MP3-Audiodatei [2.8 MB]
Bild © nordroden/Fotolia
Und dennoch ...!
Tanz des Lebens.mp3
MP3-Audiodatei [1.8 MB]

 

 

 

All done

 

 

The can is empty
Tomorrow the sky
will water the garden
 
 
 
 
 
 
 
 

 

 

 

 

Die Baba Yaga

oder die Furchtlosigkeit angesichts des Todes

 

 

 

In der Mitte des Waldes:
ein seltsames Haus
Wer dieses erreicht,
den packt schon der Graus

 

Großmutter wohnt dort,
eine Frau mit viel Macht
mit ihren drei Reitern
Tag, Sonne und Nacht

 

Sie wohnt an der Schwelle
zwischen Leben und Tod
Kommst du an die Stelle,
fürcht' nicht, was da droht

 

Sie fliegt in dem Mörser,
verwischt ihre Spur
Sie gilt als ein Mörder,
doch hütet sie nur

 

Geburt und den Tod,
den Abend, den Morgen
Man bleibe hellwach
und lös‘ sich von Sorgen

 

Wassilissa, die Schöne,
sie konnt‘ ihr begegnen
Sie diente der Alten
und konnte bestehen

 

Bekam jenes Feuer,
das auslöscht, verbrennt
Ein ganz neues Leben
war ihr nun vergönnt

 

 

 


 

 

 

Die Ursprünge der Baba Yaga sind nicht ganz geklärt: sie kann auf eine slawische Göttin des Totenreiches zurückgehen oder auch auf die im ganzen Slawentum bekannte Waldfrau, die aber meistens jung war. Wie alle mythische Frauengestalten rutschte sie nach der Christianisierung ganz in den Schatten einer 'bösen', ja menschenfressenden Hexe ab. Hinweise, dass die drei Reiter Morgendämmerung, Morgenrot und Abend zu ihr gehören, weisen aber doch darauf hin, dass sie mit den Kräften der Natur direkt verbunden ist und sowohl schenken als auch nehmen kann. Wer aufrechten Herzens und freien Mutes zu ihr kam, den hat sie nie abgewiesen, wer aber zögerlich und ängstlich war, den konnte sie verschlingen.

 

 

 

 

 

 

Der Glasbläser

 

 

 

 

 

Er blies meist Gläser, auch mal Flaschen

für's Kinderspiel so kleine Sachen

Ein Meister war er seiner Kunst

Doch dann war all sein Werk umsonst

 

Sein Graf, der sperrte ihm die Wälder

Sein Ofen wurde immer kälter

Das Feuerholz, das ging ihm aus

und bitterkalt wurd's in dem Haus

 

Er konnt' fortan nichts mehr verdienen

Voll Kummer war'n im Haus die Mienen

Die Frau wurd' langsam stumm und matt

und die Kinder nicht mehr satt

 

Er wusste sich nicht mehr zu raten

Er nahm den Strick und einen Spaten

ging still in seinen nahen Wald

Doch da stand eine Feegestalt

 

"Was willst Du Hand nun an Dich legen?

Zu kostbar ist doch unser Leben!"

Sie wies ihn hin auf einen Stein

"Schau lieber dort und grab' hinein!

 

Dort lagert Brennstoff: das in Mengen

den kannst Du nutzen und verbrennen"

Die Elbin sprach es und verschwand

Er grub danach und was er fand

 

war alles, was sie hat versprochen

Und in nur drei, vier wen'gen Wochen

da war er wieder auf der Höh'

Und seiner Frau tat nichts mehr weh

 

Die Kinder hatten was zu essen

Die Not war beinah' schon vergessen

Der Ofen bullerte enorm

Das Glas nahm glutrot seine Form

 

Noch schöner leuchteten die Gläser

Der Graf sah sie, fand sie noch besser

Er kaufte fortan bei ihm ein

und trank daraus den guten Wein

 

 

 

 

Nach der Sage vom Glasmacher Heinrich Kunkel aus Wickenrode. Sie  erzählt von der wundersamen Entdeckung der Braunkohle, die er in einer verzweifelten Lage fand. Ein Dachs hatte sie wohl nach oben befördert. Man dankte es dem Gott, hier der Holle, die auch als Baumfee erscheinen konnte.

 

 

 

 

 

 

 

Choral 'O Haupt voll Blut und Wunden'
LANDR-Oh Haupt voll Blut und Wunden.mp3
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Frau Perchta mit der Kinderschar

 

 

 

Der Tränenkrug

 

 

 

Das liebe Kind war ihr gestorben
Die Mutter kam nicht mehr zur Ruh
Sie hatte schon den Mann verloren
und nun ihr einzig Kind dazu

 

Die Tränen war’n ihr ausgegangen
Der Schmerz, er wollte nicht mehr geh’n
In tiefer Nacht ging sie ins Freie
Der Mond, der konnte sie versteh‘n

 

Die Schönheit des verschneiten Landes
Sie konnte sie nicht einmal seh’n
Doch plötzlich sangen da ganz leise
viel Kinderstimmen wunderschön

 

Frau Perchta war’s mit ihren Heimchen
Sie strebten grad dem Walde zu
Das letzte Kind konnt‘ kaum noch gehen
Es schleppte einen schweren Krug

 

Sie half ihm vor der großen Hecke
Erkannte jäh ihr eigen Kind
Es schleppte ihre ganzen Tränen
Mit nassem Hemd sprach's noch geschwind:

 

‚Ach liebe Mutter, lass mich gehen!
Die Große Mutter hat viel Raum!‘ -
Sie küsste es noch unter Tränen
Und half ihm über jenen Zaun

 

 

 

 

Nach einem deutschen Volksmärchen zu Frau Perchta, einer Parallelgestalt zur Frau Holle, die in Süddeutschland und Österreich verbreitet war und mit den Seelen der verstorbenen Kinder unterwegs war

 

 

 

 

Gedenken

 

 

 

Wenn meine Kräfte geh‘n zurück
Wenn meine Hände ruh’n
Dann habe ich es doch geschafft
So weint nicht mehr um mich

 

Gönnt‘ mir die Ruh nach allen Müh’n
Mein Leben ist vollbracht
In Segen sei es eingehüllt
Ich musste weiterzieh‘n

 

Gedenken - gesprochen + Musik
LANDR-Gedenken.mp3
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Merseburger Zaubersprüche
Für Gregor - Flöte und Gesang: S. Grashorn, Gitarre: JW
LANDR-Für einen verstorbenen Freund.mp3
MP3-Audiodatei [8.5 MB]

 

Frau Holles Apfelgarten

 

 

 

Die Apfelbäume in dem Garten
der Frau Holle standen kahl
Keiner konnte etwas machen
Welch ein Jammer, eine Qual

Auf Erden wohnte eine Alte
der geriet ihr Garten wohl
Jeder sah und jeder  staunte
über Blumen, Sträucher, Kohl

Frau Holle rief zu sich den Liebsten
Junker Tod ritt schnell hinab
klopfte an der Tür der Alten
'Nun, gute Frau, ich hol Dich ab!'

 

'Ich habe noch ne kleine Bitte,
die doch freundlich mir gewähr
lass uns Karten spielen, der Verlierer
verzichtet heut auf sein Begehr'

 

Die alte Frau war überlegen
wie es leider deutlich  schien
Sie spielte manchmal mit den Knechten
und gewann die drei Partien

Der Junker Tod, er musste passen
ritt beschämt zur Frau zurück
Diese zürnte, wies ihn ab
Da probierte er sein Glück

Und  ritt in den geweihten Nächten
macht' der Frau ein Angebot
Du sollst Himmelsgärten pflegen
Wenn Du n i c h t  willst: hast keine Not

 

Ich bring Dich unversehrt zurück
Kannst Dein Leben weiterführ'n
Wenn Du magst, kannst Du auch bleiben
und das And‘re ausprobier'n


Die Alte sprach: Ich will Dir folgen
Kam ans Tor und sah hinein
Sprang als hübsches junges Mädchen
so gern in diesen alten Hain

 

 

 

Nach einem Märchen, überliefert durch S. Früh

 

 

 

 

Hoffnung
Musik und Gitarre: JW
LANDR-Hoffnung.mp3
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