Jürgen Wagner
Jürgen Wagner

 

 

Politik und Gesellschaft

 

 

 

 

 

 

Warum wir politisch sind

 

 

Wir sind politisch, weil wir mitfühlen und das uns nicht gleichgültig lässt, was wir hören und sehen - und weil wir durch unser Tun und Nicht-tun immer auch etwas Kleines beitragen zum großen Gang der Dinge.

 

Politik ist nicht nur das, was in Berlin und anderswo beschlossen wird: 'Politik' ist eigentlich die Sorge um die Polis, die Stadt. Politisch ist jemand, der sich um das Allgemeinwohl kümmert. Im weitesten Sinn trägt jeder von uns etwas zum Ganzen bei, ob man nun Müll im Wald aufliest oder einen Garten pflegt, ob man als Therapeut arbeitet oder als Gebäudereiniger, ob man ehrenamtlich eine Jugendmannschaft trainiert oder eine Asylantenfamilie betreut.

 

Was uns so große Sorgen bereitet, sind die großen Entwicklungen, auf die wir nicht so viel Einfluss haben.
Auf der einen Seite schreitet die Globalisierung und weltweite Vernetzung unaufhaltsam voran, auf der anderen Seite suchen immer mehr Länder Zuflucht in ihrer nationalen Identität und wollen sich abgrenzen. Beides bedingt sich und beides hat ein Recht.

 

Auf der einen Seite wollen wir Wohlstand, Gesundheit, Nachkommen, Arbeit, wirtschaftliches Wachstum, technischen Fortschritt - andererseits zerstören wir als Menschheit mit unserer Dominanz systematisch die Lebensgrundlagen der Erde und die Vielfalt des Lebens.

 

Einerseits wollen wir Frieden und Gerechtigkeit - und keine neue Flüchtlingswelle - andererseits sehen wir z.B. zu, wie türkische Panzer in Syrien einmarschieren und dort die Kurden umbringen und ihre Städte bombardieren.

 

Diese Gegensätze und Widersprüche sind schwer auszuhalten. Sie anzuerkennen, ist der erste Schritt zum Frieden. Erst wenn man beide Seiten kennt, kann man eine Haltung der Offenheit, der Mäßigung und des Respektes einnehmen - und so einen neuen Geist der Politik schaffen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Würde des Menschen

ist (un)antastbar

 

 

 

Würde kann man haben

Würde kann man verlieren

Würde kann man erwerben:

tu and‘re respektieren!

 

Zur Würde kann man reifen

Zu Würde kann man gelangen

Um Würde muss man manchmal kämpfen

und manchmal um sie bangen

 

Würde kommt mit Erfahrung

Würde kommt mit Aufrichtigkeit

Würde kommt mit Reife -

sie kommt auch mit der Weisheit

 

Die Würde kommt den Menschen zu,

doch sicher auch den Tieren

Viel Würde haben alte Bäume -

braucht man da diskutieren?

 

Wer and’re Menschen ehrt,

ein jedes Wesen achtet

wer aufrecht geht und lebt,

der weiß, wonach sie trachtet

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Sich für das Allgemeinwohl einsetzen

 

 

 

Die Rechten suchen Sündenböcke,
Die Linken die Gerechtigkeit
Die Bürgerlichen die Balance
Das Volk Ruh' und Bequemlichkeit

 

Tyrannen blenden ihre Völker,
Die Mächtigen belügen sie
Es braucht die Wachheit eines jeden
Geradheit, Mut und Empathie

 

Wie Welt rückt immer mehr zusammen

Computer prägen die Kultur

Doch jeder kann heut etwas tun

Zum Wohl der anderen, der Natur

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

DIE PLASTIKTÜTE

 

 

 

Ist das so schlimm? – du meine Güte

Heut nehm‘ ich mal ‘ne Plastiktüte!

Ist so bequem, geschickt und praktisch

Und ich sag mal prophylaktisch:

Beschwere bloß nicht mein Gemüte!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Riese Nimmersatt

 

 

 

Kennst Du den Riesen Nimmersatt,
der wohl ein Herz aus Steinen hat
Er will so viel und immer mehr,
der Reichtum wird ihm nie zu schwer

 

Was er mal hat, will er behalten
und möcht‘ mit Macht auf Erden walten
Er nimmt, was immer ihm gefällt
und münzt es um in kleines Geld

 

Er fällt die Bäume, tötet Tiere
und achtet keins ihrer Reviere
Er herrscht und er bestimmt allein
und alles, was da ist, ist sein

 

Er forscht und er will alles wissen
und ordnet seine Welt beflissen.
Da sprach zu ihm der hohe Berg:
Steh einmal still, du kleiner Zwerg

 

Bedenke, was Du tust auf Erden,
sonst wird noch Schlimmeres uns werden
Nutz dein Talent und deine Macht
und handle weise, mit Bedacht

 

Wir sind doch alle miteinander
in einem Boot und aufeinander
angewiesen und verwandt
So lass uns achten dieses Band!

 

 

 

 
 
 
 
 
 
HOME
 
 
 
 
Home is not only, where we are from
Home is, where we are and we belong
 
Home is not, where we have to flee
Home is a place, where we can be
 
Home is not without friend,  sister and brother
Home is, where we look at and listen to each other
 
Home is not, where we hate,
Home is, where we open each other the gate
 
 
 
 
 
 
 
 
 

 

 

 

 

 

 

 

Die Jotamfabel

 

 

 

So viele Bäume, allein und in Wäldern
Da sollte sich endlich doch mal was ändern
Man muss heutzutage Ordnung schaffen
Durch Macht und Gewalt - und auch mit Waffen

 

Ein König, d e r könnte all dieses richten
So hört man in alten Bibelgeschichten
Der Ölbaum wurde zuerst gefragt
Sein Fett wär zu kostbar, hat er gesagt

 

Der Feigenbaum lehnte ebenfalls ab
Die süßen Früchte wär'n eh schon knapp
Der Weinstock sah überhaupt keinen Sinn
Zu herrschen: ja, wo komm ich da hin!

 

Der Dornstrauch, ja, der könnt' es machen
Da hätte man Zuflucht in seinem Schatten
Der akzeptierte in seiner feurigen Kraft
Und hat zukünftig stechend bestraft

 

 

 

Eine herrschaftskritische Fabel aus dem biblischen Buch der Richter (9/8-15):

 

„Einst machten sich die Bäume auf, um sich einen König zu salben, und sie sagten zum Ölbaum: Sei du unser König!  Der Ölbaum sagte zu ihnen: Soll ich mein Fett aufgeben, mit dem man Götter und Menschen ehrt, und hingehen, um über den anderen Bäumen zu schwanken?
Da sagten die Bäume zum Feigenbaum: Komm, sei du unser König! Der Feigenbaum sagte zu ihnen: Soll ich meine Süßigkeit aufgeben und meine guten Früchte und hingehen, um über den anderen Bäumen zu schwanken?
Da sagten die Bäume zum Weinstock: Komm, sei du unser König! Der Weinstock sagte zu ihnen: Soll ich meinen Most aufgeben, der Götter und Menschen erfreut, und hingehen, um über den anderen Bäumen zu schwanken?
Da sagten alle Bäume zum Dornenstrauch: Komm, sei du unser König! Der Dornenstrauch sagte zu den Bäumen: Wollt ihr mich wirklich zu eurem König salben? Kommt, findet Schutz in meinem Schatten! Wenn aber nicht, dann soll vom Dornenstrauch Feuer ausgehen und die Zedern des Libanon fressen.“

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Knüppel aus dem Sack!

 

 

 

 

Insekten sterben, Blüten verderben,

der Wald wird gefällt

Unser Vieh, das leidet, seine Würde beschneidet

der Mensch, der sie hält

 

Die Meere vermüllen mit Plastikhüllen,

werden leer gefischt

Die Lüfte verschmutzen, Eisberge rutschen

Wer nimmt uns in Pflicht?
 

Viel‘ Arten verschwinden, die Menschen versinken

in ihrer Welt.

Man ist gut vernetzt und meistens gehetzt

und hat es erwählt

 

Unser Tisch ist gedeckt, der Esel gestreckt,

nur die Freude ist fort.

Der Knüppel im Sack war für’s Diebespack

und gehorchte auf’s Wort

 

Wer die Erde ausraubt, wer sich alles erlaubt,

d e r  muss ihn spür’n

Der Jüngste und Klügste, der wachsam Liebendste,

d e r  soll ihn führ‘n

 

 

 


Eine Hommage an Hoffmann von Fallersleben zu seinem gleichnamigen Gedicht auf das Märchen ‚Tischlein deck dich!‘ KHM 36

 

 

 

 

 

Der kranke Mann am Bosporus

 

 

 

 

Der Erdogan, der Erdogan
erliegt noch schließlich seinem Wahn
Die Feinde war'n längst ausgemacht,
die hinderten die Sultansmacht:

 

die Lehrer, Richter, Journalisten
Soldaten, Kurden und Artisten
Als Patriarch, da liegt man richtig
und nimmt sich selber furchtbar wichtig

 

Kritik ist völlig überflüssig
Er ist ihr längstens überdrüssig
Den Völkermord hat's nie gegeben
Ein Hirngespinst, das and're weben!

 

Die Freiheit ist nun angezählt
Tyrannen sind vom Volk gewählt
Gefängnisse sind gut besetzt
Wohin das führt, weiß man zuletzt

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Mister President

 

 

 

 

Es war ein Mensch, so reich und mächtig,

er fühlte sich so groß und prächtig,

so dass man fand, das wär der Mann,

der dieses Land regieren kann

 

Sein Reichtum, seine Macht und Größe

verdeckten schnell des Landes Blöße,

verhießen nun dem ganzen Volk

Gewicht und Ehre, Macht, Erfolg

 

Doch was mal stand: er macht's zunichte

Er trampelt durch die Weltgeschichte

und nimmt sich selber furchtbar wichtig

Was falsch ist, nennt er kurzum 'richtig',

 

was wahr ist, kehrt er um zum 'Fake',

denn was er tut, ist immer 'great'

Was man den 'Wilden Westen' nennt

stützt seinen 'Mister President'

 

 

 

zu D.J.T.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bevor man die Welt verändert,

wäre es vielleicht doch wichtiger,

sie nicht zugrunde zu richten.
 

 

(Paul Claudel, franz. Dichter und Staatsmann, 1868-1955)

 

 

 

 

 

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