Jürgen Wagner
Jürgen Wagner

KUNST

 

 

 

 

 

 

Die erste Kunst, die wir von Menschenhand bislang gefunden haben, ist eine rot-orangene Zeichnung eines Rindes in einer Höhle von Borneo. Sie gehört noch in die Altsteinzeit und ist 40 000 Jahre alt . Zu der Zeit begann der Homo Sapiens von Afrika aus Europa zu besiedeln. Funde von Mustern und Symbole in Südafrika dagegen sind noch einmal 30 000 Jahre älter. Man kann über Sinn und Zweck dieser Zeugnisse lange rätseln. Wir finden sie weltweit. Auch vom Neandertaler gibt es sie. Es ist vielleicht dieselbe Motivation, mit der auch wir heute noch zeichnen und malen. Man muss nur in sich hineinspüren, dann weiß man es. Wir finden die Kunst als Ausdruck eines sich und seiner Umwelt bewusster werdenden Geistes.  In den Bildern vergegenständlichen wir die Dinge, , gewinnen dadurch auch an Macht. 

Pferde mit Leopardmustern aus einer Tropfsteinhöhle in Pech-Merle in Frankreich. Genetischen Untersuchungen zufolge hat es solche Pferde vor mehreren Zehntausend Jahren tatsächlich gegeben.

Der gezeichnete Schamane von Trois Frères, einer Höhle in Südfrankreich, ist ca. 15 000 Jahre alt. Er spielt einen Mundbogen und zeugt von den Anfängen von Musik und Tanz. Musik ist etwas Wunderbares: so empfindet es der Mensch wohl von Anfang an bis heute. Und sie wurde rituell eingesetzt, so wie sie bis heute fester Bestandteil eines jeden Gottesdienstes, eines jeden schamanischen Rituals sind.

 

 

 


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Inspiration

 

 

 

 

Ein Ton ruft ins Leben
Der Klang will ins Sein
Ein Lied lässt mich beben
Ich lasse es ein

 

Ein Wort mag sich regen
Ein Satz gibt den Sinn
Ein Vers will bewegen
Ich schreibe ihn hin

 

Ich hab was gesehen
Vision will Gestalt
Das Bild mag entstehen
Ich male es bald

 

Ich war schon gestorben

Da schlug er noch aus

Ich hab's nicht erworben

Der Stock trieb's hinaus

 

Doch heut mag ich's hegen

Es strömt mit Gewinn

Ein Bächlein im Segen

Das gluckst froh dahin

 

 

 

 

 

 

 

 

Immer wieder fühlen wir uns auch zu den sakralen Bauwerken der Menschheit hingezogen. Wir gehen gerne in eine stille Kirche oder einen Tempel und lassen das auf uns wirken. 

 

 

 

 

 

 

 

 

Impressionismus - den Moment einfangen

 

 

Der Impressionismus ist eine Epoche in der europäischen Kunstgeschichte, die von der Malerei ausging und von da aus auf in die Musik und Literatur überging. Zwischen 1860 und 1920 gab es diese Bewegung, die sich von der bisherigen Malerei löste und das Tor zur Moderne aufmachte. Viele der späteren Entwicklungen (Expressionismus, Kubismus, Pointillismus u.a.) entwickelten sich aus ihm.

Bisher zeichnete man möglichst sorgfältig naturgetreu. Nun begannen einige, spontan, schnell und direkt den inneren Eindruck auf die Leinwand zu bringen, das eine Landschaft oder eine Szenerie auf sie machte. Man nannte sie nach dem Bild 'Impression, Sonnenaufgang‘ 1872 von Claude Monet ‚Impressionisten‘. Viele Zeitgenossen sahen in ihren Bildern ‚bloße Eindrücke‘, experimentelle Skizzen, gar 'Schmierereien', aber keine ‚richtige Kunst‘. So verkauften sich die Bilder schlecht, die Maler blieben arm und ernteten mehr Spott als Ruhm. Anders die Nachwelt: 2016 wurde ein Heuhaufen Monets (‚Meule‘) mit 72,5 Millionen Dollar das teuerste Kunstwerk des Jahres.

Sie zeichneten nicht mehr genau die Linien der Natur nach, sondern malten spontan und intuitiv das innere Bild mit dem Spiel des Lichtes, mit hellen Farben, mit kurzen starken Pinselstrichen. Indem sie etwas mehr Abstand hielten zu den Dingen, gaben sie ihnen mit ihrer Unschärfe zugleich etwas von ihrem Geheimnis und ihrer Lebendigkeit zurück, die sie in der gegenständlichen Malerei  allzu leicht einbüßten.

Musiker wie Debussy und Ravel taten es den Malern nach und brachten in ihrer Musik primär Atmosphäre und Stimmung zum Ausdruck. Film und Fotographie wurden inspiriert. In der Bildhauerei tat es Auguste Rodin ihnen nach.  Auch in der Literatur gab es diese neue Art, die Wirklichkeit zu sehen. R.M. Rilke, Hugo von Hofmannsthal, Stefan George und Stefan Zweig wurden die Dichter der inneren Wahrnehmung.

 

 

 

 

 

 

 

 

Expressionismus - das Innere malen

 

 

 

 

Der Expressionismus  ist eine künstlerische Bewegung am Anfang des 20. Jahrhunderts, die den inneren ‚Ausdruck‘ (expressio) als Wesentliches erkoren hat. Er war eine Antwort auf die wilhelminische Gesellschaft mit ihrem Militarismus und Konservativismus und zunehmenden Industrialisierung in den Großstädten. Er ist ein Ausbruch aus der vielfach als furchtbar empfundenen Normalität dieser Zeit.

 

Die meisten Expressionisten lebten auch in Großstädten und bewegten sich in Varietés, Kneipen, Bordellen und Literaturcafés. Sie äußerten ihre Ansicht zum Leben in der Stadt in zahlreichen Bildern und Gedichten dieser Epoche. Man wollte den Betrachter/Leser emotional ansprechen und in den (allzu) gewohnten Sicht- und Lebensweisen erschüttern.

Den Anfang machten die Maler. Architekten, Literaten und Musiker folgten mit einer zunehmenden Befreiung aus den bisherigen Konventionen der Kunst. ‚Startschuss‘ war das Werk ‚Der Schrei‘ des norwegischen Malers Edvard Much im Jahre 1890. Dieses Bild gilt weltweit als das erste expressionistische Bild. Zeitgenossen empfanden es als befremdend, einfach drauf los gemalt, schlampig im Stil, ohne genaue Beobachtung. Das entsprach tatsächlich auch seinem Stil, spontan und aus der inneren Gemütsbewegung heraus zu malen. Das abzubilden, was man in der Natur sah, überließ man fortan der Fotografie und malte lieber das, was man tatsächlich fühlte, wenn man etwas sah. Das hielt man für die tiefere Wahrheit:

 

Meine Menschengesichter sind wahrer als die wirklichen (Paul Klee). 

 

Der Naturalismus bot einem zu wenig, der Impressionismus war zu flüchtig. So entdeckte man die Freiheit der Form und die eigenständige Sprache und Kraft der Farbe. Man löste sich in der Folge immer weiter von der gegenständlichen Form, deformierte die Figuren, beschränkte sich auf geometrische Formen und steigerte damit die eigene Ausdruckskraft.

Kandinsky ging dabei am weitesten und bezeichnete seine Bilder „als rein malerische Wesen, die ihr vollständiges, intensives Leben führen“. Damit war der Zusammenhang zur natürlichen Welt weithin gelöst. Die Kunst hatte einen ähnlichen Weg beschritten wie die Technik, die das Eigenleben und -funktionieren ihrer Maschinen ebenfalls als Höhepunkt empfand. Diese Entfremdung, bereitet durchaus Sorgen, wenn der Mensch sich immer mehr von seinen natürlichen Lebensgrundlagen entfernt, ja diese sogar weltweit vernichtet.

 

Höhepunkte der expressionistischen Bewegung waren die ‚Brücke‘ mit der Idee einer allgemeinen künstlerischen Gestaltung des Lebens, der ‚Blaue Reiter‘ als Zeichen eines geistigen Aufbruchs und Kampfes und die Tunisreise der drei Maler August Macke, Paul Klee und Louis Moilliet im April 1914. Klee, der die Reise geplant hatte, hoffte auf ‚eine Studienreise‘, ‚wo einer den anderen anregt‘. Tatsächlich wurden es zwei sehr kreative Wochen zwischen Tunis und Kairouan. P. Klee war begeistert:

 

„Die Farbe hat mich“; „ich und die Farbe sind eins. Ich bin Maler“.

 

Sie wie der malerische Expressionismus in van Gogh, Gaugin, Cézanne u.a. seine Vorläufer hatte, so hatte er in Hundertwasser, Picasso u.a. seine Nachfolger. Während er in einer Zeit wenig Anklang fand und während des Nationalsozialismus unter die entartete Kunst gerechnet wurde, erzielten seine Werke nach dem 2. Weltkrieg Höchstpreise und große Popularität. Tatsächlich währte er nur 2 Jahrzehnte, aber sein Einfluss auf die weitere Entwicklung der Kunst war stark. Die abstrakte Kunst, die Pop-Art, die spontane Malerei u.a. Richtungen verdanken ihm wesentliche Impulse.

 

 

 

 

 

 

 

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