Jürgen Wagner
Jürgen Wagner

 

 

 

 

Humor und Menschliches

 

 

 

 

 

'Humor' geht zurück auf das 'Feuchte' (humidity). Ohne Feuchtigkeit kann nichts wachsen. Ist etwas zu trocken, verdorrt es. So gehört der Humor in seiner ganzen Vielfalt elementar zum Menschlichen.

 

Dem Lachen entspricht das Weinen - so dass man manchmal tatsächlich zwischen beiden hin und her schwanken kann.

 

 

 

 

 

 

 

Bowerman’s Nose © annacurnow / 123RF

 

 

Der Verwandelte

 

Du, leg dich nie mit Hexen an,
sonst geht es dir wie jenem Mann,
ein Jäger, den die Frauen jagten
und einen Bannspruch zu ihm sagten

 

So wurde er zum Fels verwandelt,
der nun als Attraktion gehandelt
Ein Gott ist er – naja, beinah
Doch lest nun selbst, wie das geschah:

 

Er galt als fröhlich netter Mann,
wie zehne sei er stark gewesen
Nicht mal vor Hexen war ihm bang,
er scherzte über ihren Flug und Besen

 

Die Jagd war seine Leidenschaft,
er streifte gern durch Moor und Heide
mit Hunden, die war’n grauenhaft
Sie waren immer bei ihm, beide

 

Sie jagten einmal einen Hasen,
der flüchtete ins enge Tal,
wo Frauen still am Feuer saßen
und hielten ab ein Ritual

 

Der Kessel war schon siedend heiß,
da stürmte er grad mittenrein
Die Frauen sprachen, wie man weiß:
‚In Ruhe soll er fortan sein‘

 

Als Hase rannte eine fort
und hetzte Mann und Tier alleine,
erschöpfte sie am höchsten Ort
Und alle bannten sie in Steine

 

So musste er als Mann in Stein
mit großem Kinn und spitzer Nase
ein Schauender auf ewig sein
- und lange lebte noch der Hase

 

 

 

In Dartmoor gibt es eine Sage über einen freundlichen, furchtlosen, aber auch brutalen Jäger, der von Spiritualität nicht viel hielt und über die Hexen spottete, denen alle in Ehrfurcht begegneten. Zu dieser Zeit, als Frauen noch Magie praktizierten, sei er einmal mit seinen Hunden in ein Ritual geplatzt, weil er einen großen Hasen verfolgte. Daraufhin hätte sich eine der Frauen in einen Hasen verwandelt und ihn und seine Hunde so lange durch die Gegend gehetzt, bis alle völlig erschöpft waren. An diesem Punkt, auf der Anhöhe bildeten die Frauen einen Hexenkreis und bannten Mensch und Tier in Felsen.  Bis heute bewundert man sie als 'Bowerman's Nose', der wie ein Wahrzeichen in der Landschaft Dartmoors steht. 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Haustyrann

 

 

 

Wenn Er sich aus dem Bett erhob,
war'n da die Schuh', das Frühstücksbrot
Ging er zur Arbeit aus dem Haus,

dann brach erst mal der Frieden aus

 

Kam er am Abend müde heim,
war das Kommando wieder sein
Er war nicht aufgelegt zu Späßen:

Wo ist die Zeitung? Wo das Essen?

 

Die Kinder war'n ihm stets zu laut
Ein Widerspruch war nie erlaubt
Gehorchen sollte man - der Mann
war immer oben - so er kann

 

Die kluge Frau gab meistens nach,
verhinderte manch Ungemach,
erreichte dennoch, was sie wollte,
auch ganz ohne die Revolte

 

 

 

In memoriam Heinz Erhardt 'Der Haustyrann' 1959

 

 

 

 

 

 

 

 

Hausdrachen

 

 

 

 

Sie spieen Feuer aus dem Mund

und machten ihre Männer rund

Der Streit, das war ihr Elexier

Sie war’n die Herrin im Revier

 

Die Mutter mal an erster Stell',

die nörgelte ganz generell

Die Kinder war'n am liebsten weg

Die Nachbarsfrau, ja die war nett!

 

Die Ehefrau war nie zufrieden,

doch sollte man sie immer lieben

Sie wollte nie, was ihm gefiel

und wusste immer viel zu viel

 

Die Schwiegermutter noch dazu:

dann hatte 'Mann' nie wieder Ruh'

Geregelt wurd's von A bis Z

Die hielt erst an vor'm Ehebett

 

Ein weiser Mann und die Xanthippe:

da stand der Frieden auf der Kippe

Er folgte lieber seinem Streben,

verliess das Haus, tat was für's Leben

 

 

 

In memoriam Sokrates 469-399 v. Chr.

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Ei des Kolumbus

 

 

Kolumbus war zum Mahl geladen

Man aß und trank sich reichlich zu

und feierte den Teufelsbraten   

Nur einer wollte nicht, partout

 

Ein Kinderspiel sei das gewesen!

So provozierte er den Mann

Der wollt‘ ihm die Leviten lesen

und fragte alle: Ja? Wer kann  

 

ein Ei auf seine Spitze stellen?

Man raunte, sann auf allerhand

Kolumbus wollte sie nicht quälen,

schlug auf den Tisch das Ei: es stand!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Flotte Lotte

 

 

 

 

 

Ich habe eine flotte Lotte
Über die mir keiner spotte
Nicht modern, eh’r 'ne Klamotte
Mit nicht der winzigsten Marotte!


Heut nimmst Du sie, denk ich, Charlotte

Passier so fröhlich die Karotte
Seh ich doch drin 'ne kleine Motte.
"Hilfe, sagt sie, ich verrotte!


Könnt' ich nicht fliehen ins Fagotte?
Das wäre mir ne hübsche Grotte!"

Bevor sie landet im Kompotte
Und ich die Mühle mit verschrotte


Tu ich ein gutes Werk, bei Gotte!

 

 

 

 

 

 

13 Dinge, die man nicht tun sollte

 

 

 

 

Sich selbst verlieren
Die ungeschminkte Wahrheit präsentieren
Einen Kartoffelsalat einfrieren
Das andere Geschlecht kapieren

Ein Genie kopieren


Nur noch funktionieren
Sich suchthaft ruinieren
Einfach resignieren

Vorschnell arrivieren


Zu viel diskutieren
Mit 0800666 telefonieren
Alles akzeptieren

 

Dummes Zeug publizieren

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bescheidenheit

 

 

 

 

 

Der Rabbi ist sehr ernst erkrankt
Die Schüler sind bei ihm versammelt
So vieles, was man ihm verdankt
Und einer nach dem andern stammelt

 

'Wie Abraham hat er geglaubt'
'Wie Hiob sein Geschick getragen'
'Wie Mose hat er Gott vertraut'
'Ein Salomo in uns’ren Tagen!'

 

Dem Rabbi geht's trotzdem noch schlecht
So lässt man ihn mit schwerem Herzen
'Man preist Dich doch, und das zu Recht!‘
Sagt seine Frau ihm unter Schmerzen

 

Der Rabbi fühlt sich abgelehnt
Man kann's in seinen Zügen lesen
Mit keiner Silbe wurd' erwähnt
Wie stets bescheiden er gewesen

 

 

 

 

 

 

Bescheidenheit (Audio-Fassung)
Text, Musik und Sprecher: JW
LANDR-Bescheidenheit.mp3
MP3-Audiodatei [5.8 MB]

 

 

 

 

 

 

 

Düssel-Dorf

   

 

 

 

Es war einmal in Nordrhein-Westfalen,
da war eine Stadt mit inneren Qualen
Sie hatte das Dorf aber so was von satt
Ihr richtiger Name wär' Düsselstadt
Doch muss sie sich mit der Ehre begnügen
als uralter Ort am Bach Düssel zu liegen

 


Bereits in der Frühzeit war das Gebiet des heutigen Düsseldorfes mit Neanderthalern besiedelt. Im siebenten Jahrhundert lassen sich fränkische Spuren nachweisen. Eine Siedlung muss etwa um das Jahr 800 bereits bestanden haben.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Klagen

 

 

 

 

 

Frau Sonnenschein aus Meinertshagen
Die fuhr 'nen flotten Neu-Sportwagen
Nur dieses Mal fuhr sie zu schnell
Da war sie tot noch auf der Stell'
Da half kein Weh und auch kein Klagen

 

 

Herr Schlotterbeck aus Oberschwaben
Verplemperte sein Sparguthaben
Da fingen seine Knie an
Zu schlottern bis zum Halse dann
Zu spät kam all sein Klagen

 

 

Ein Kind aus Ludwigshafen
Möcht' Oma etwas fragen
Wie geht’s Dir, liebe Omi?
Heut' gibt es Makkaroni!
Ach Kind, ich kann nicht klagen!

 

 

Die Schwägerin aus Papenhagen
wohnte in den schönsten Lagen
auf dem Land - da ist es stille
Jeder preist hier die Idylle
Nur selten hört man Klagen

 

 

Tante Brit aus Kopenhagen
hatte nie so viel zu sagen
Einmal haut sie auf die Pauke
Ging zwar beinah bös‘ ins Auge
Doch dann war Schluss mit Klagen

 

 

Onkel Ernst aus Buggenhagen
War schwer erkrankt vor 30 Tagen
Ertrug sein Schicksal ohne Murren
Nicht mal den Hund hörte man knurren
Es kommt die Zeit zu klagen

 

 

 

 

 

 

 

Hinter einer Düne hatten ...

 

 

 

 

 

Hinter einer Düne hatten
zwei etwas, das ging vonstatten
mit Liebeslauten, hoch und schön
mit tiefem Seufzen und Gestöhn


Ein Rascheln da, ganz zarte Tritte -
'Liebster, ich verzicht auf Dritte
Niemand soll uns hier beschatten!'
Das brachte ihn gleich zum Ermatten

 

Sie fragte ihren Göttergatten:
Wer will uns hier Besuch abstatten?
Sie schauten rechts und auch zur Linken
Keiner vorn, und keiner hinten


Sie griffen schon nach ihren Kleidern
in Anbetracht von schlimmen Neidern
Da sahen sie noch einen Schatten:
Ein Häslein war's, das sie da hatten!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Gewissen

 

 

 

 

Ist das so schlimm? – Du meine Güte
Heut nehm‘ ich mal ‘ne Plastiktüte
Ist so bequem, geschickt und praktisch
Und ich sag mal prophylaktisch:
Beschwere bloß nicht mein Gemüte!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

SCHMERZTHERAPIE

 

 

 

 

 

Will Dein Kopf Dich wieder schmerzen
Such es, so mal auszumerzen:
Wasser trinken, Bad mit Kerzen
Frischluftgang und was zum Scherzen

 

Will Dein Rücken dich bedrücken,
Magst mit Wärme ihn entzücken
Laufen, Dehnen, Strecken, Bücken
So vieles kann uns so beglücken!

 

Schlägt Dir etwas auf den Magen
Kräutertee, der schafft Behagen
Warme Flasche, ruhige Lagen
Stress, den sollte man vertagen

 

 

 

 

 

 

 

 

Dass auch Tiere ihren Spass haben und zu vielen Gefühlen fähig sind, kann man ahnen, manchmal auch beobachten.

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