Jürgen Wagner
Jürgen Wagner

 

 

 

Mittelalter und Renaissance

 

 

 

 

 

Unser europäisches Mittelalter (500-1500 n. Chr.) ist für uns oft Inbegriff des Vergangenen, Rückständigen - und birgt doch weit mehr, als man so auf die Schnelle wahrnimmt. Es kann sehr wohl faszinieren - und tut es immer wieder: in seinen geistigen Größen, in seiner Sprache, in seiner Kultur, in seiner Universalität, in der Mystik - und in seiner Musik.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Walther von der Vogelweide, Ritter und berühmtester Minnesänger des Mittelalters, nachsinnend auf einem Stein

 

 

 

 

 

Unter der Linden ''(Walther von der Vogelweide)
Unter der Linde an der Heide,
wo unser beider Bette war,
da könnt ihr schön gebrochen finden
Blumen und Gras.
Vor dem Walde in einem Tal - tandaradey -
sang so schön die Nachtigall.

Ich kam zu der Aue, mein Liebster war schon da.
Ich wurde empfangen, edle Frau,
so dass ich für immer glücklich bin.
Ob er mich küßte? Wohl tausendmal!
Tandaradey - seht, wie rot mir ist der Mund!

Da hatte er aus Blumen ein prächtiges Bett
vorbereitet. Darüber wird jetzt noch
gelacht, wenn jemand den Weg entlang kommt.
An den Rosen kann er wohl - tandaradey -
erkennen, wo mein Haupt lag.

Dass er bei mir lag, wüsste das jemand
(Gott bewahre!), dann würde ich mich schämen.
Was er mit mir tat, soll nie jmd. erfahren, außer ihm und mir
und ein kleines Vögelein - tand. -
das mag wohl getreu sei
LANDR-Unter der Linden.mp3
MP3-Audiodatei [8.6 MB]

 

 

 

 

Am Morgen Fruo

 

Walther von der Vogelweide

 

 

 

Wenn die Blumen aus dem Grase dringen,
als lachten sie der leuchtenden Sonne entgegen  
in einem Mai früh am Morgen 
und die kleinen Vögel ihre schönsten Weisen singen
– welche Wonne ließe sich dem vergleichen?


Es ist wohl ein halbes Himmelreich! 
Sollen wir dennoch sagen, was dem gliche,
dann sage ich, was meinen Augen oft wohler getan hat, 
und immer noch gut tun würde, wenn ich es sähe


Eine schöne Frau von Adel und Reinheit,
gut gekleidet und geschmückt, die   sich die Zeit vertreibt und unter Leute geht,
hoch gesinnt, nicht allein, sich kaum umsehend -
Wie die Sonne steht sie gegen die Sterne


Der Mai möge uns all sein Wunder bringen:
was ist da so Herrliches darunter
wie ihre liebenswerte Erscheinung?
Wir lassen alle Blumen stehen
und schauen die wunderbare Frau an


Wohl dann, wenn ihr die Wahrheit schauen wollt:
Gehen wir zum großen Fest des Mai,
der mit all seinen Kräften gekommen ist!
Seht i h n an und seht schöne Frauen an:
was übertrifft das andere?
Seht, ob ich das bessere Spiel gewählt habe!


Oh weh: würde mich einer da auffordern zu wählen,
welches ich für das andere aufgeben würde,
 würde ich meine Entscheidung dennoch rasch fällen!
Herr Mai, ihr müsstet schon der Märze sein,
bevor ich meine Dame da verlöre!



(eigene Übersetzung aus dem Mittelhochdeutschen)


 
Sô die bluomen ûz dem grase dringent
Text: Walther von der Vogelweide
Melodie: Qntal
Einspielung: JW
LANDR-So die Bluomen uz dem.wav
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ZITATE

 

 

 

 

 

 

Dem ruhigen Geist ist alles möglich.

 

 

 

Meister Eckhart (1260 - 1327), deutscher Mystiker und Provinzial der Dominikaner. Er starb unter der Anklage der Ketzerei.

 

 

 

Möchten doch alle erkennen,

dass in der Vielfalt der Religionsformen

nur eine Religion sich kundgibt.

 

 

Nikolaus von Kues, (1401 - 1464) deutscher Gelehrter, Philosoph und Theologe

 

 

 

Ein Mann sagte einmal zu Ibrahim ibn Adham:

"Glücklich bist du, der du unverheiratet bist

und dich ganz dem Dienste Gottes widmen kannst."

Aber Ibrahim antwortete:

"Die Unruhe und Sorge, die du für deine Familie hegst,

ist besser als all meine Frömmigkeitsübungen."

 

 

Abu Hamid al-Ghazâlî, (1058 - 1112), größter persischer Theologe des Islam, wandelte sich vom skeptischen Gelehrten zum ekstatischen Heiligen, gründete in Tus eine theologische Hochschule

 

 

 

 

Überall hat man den Himmel über sich.

 

 

Francesco Petrarca (1304 - 1374), italienischer humanistischer Gelehrter

 

 

 

 

Ich fragte die Welt, die alte,

was sie als Bestes enthalte

in ihrem großen Gebäude.

Sie sagte: des Herzens Freude

 

 

Omar Khayyam, 1045-1122, persischer Naturwissenschaftler, Mathematiker und Dichter

 

 

 

Nur das ist wirklich dein Besitz,

was du bei einem Schiffbruch nicht verlieren kannst.

 

 

Abu Hamid al-Ghazâlî

 

 

 

Es weiß immer ein Esel einen andern zu schätzen.

 

 

Meister Eckhart

 

 

 

Du hast in dir den Himmel und die Erde.

 

 

Hildegard von Bingen (1098 - 1179), deutsche Mystikerin, Äbtissin und Naturwissenschaftlerin

 

 

 

 

 

Allein die Dosis macht, das ein Ding' kein Gift ist.

 

 

Paracelsus (Theophrast von Hohenheim),  1493-1541, bedeutender Schweizer Arzt und Naturforscher. Sein medizinisches System gründete auf Alchemie, Astrologie, Mystik und Erfahrung. Er erkannte, dass externe Einflüsse bei der Entstehung vieler Krankheiten eine große Rolle spielen und sich durch Arzneimittel gezielt bekämpfen lassen. Er gilt damit als einer der Urväter der modernen Pharmazie.

 

 

 

 

Es werden mehrere Jahrtausende von Liebe nötig sein,

um den Tieren ihr durch uns zugefügtes Leid heimzuzahlen.

 

 

Franz von Assissi (1182-1226)

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Book of Kells  wurde wahrscheinlich um 800 im Kloster Iona vor der schottischen Westküste hergestellt und zur Zeit der Wikingereinfälle aus Sicherheitsgründen nach Irland gebracht. Es enthält die 4 Evangelien, hier dargestellt in einem Doppelkreuz. Die Muster sind traditionell keltisch und in einem unglaublichen Reichtum und technischen Können angefertigt.

 

Ouverture
Eigene Komposition
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Beitrag im Märchenforum
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Rittertanz
Eigene Komposition
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Alte Volksweise

 

 

 

 

Es führt über den Main, eine Brücke von Stein,
wer darüber will geh'n, muss im Tanze sich dreh'n.
Refrain: Fa-la-la-la-la, fa-la-la-la-la

 

Kommt ein Fuhrmann daher, hat geladen gar schwer,
seiner Rösser sind drei, und sie tanzen vorbei.

 

Kommt ein Mädchen allein, auf die Brücke von Stein,
fasst ihr Röckchen geschwind, und sie tanzt wie der Wind.

 

Kommt ein Bursch ohne Schuh, und in Lumpen dazu,
als die Brücke er sah, hei wie tanzte er da.

 

Und der König in Person, steigt herab von seinem Thron,
kaum betritt er das Brett, tanzt er gleich Menuett.

 

Liebe Leute, herbei, schlagt die Brücke entzwei!
Und sie schwangen das Beil, und sie tanzten derweil.

 

Alle Leute im Land kommen eilig gerannt.
Bleibt der Brücke doch fern, denn wir tanzen so gern.

 

Es führt über den Main, eine Brücke von Stein,
und wir fassen die Händ und wir tanzen ohn´ End´.

 

 

 

 

 

Dieses Lied, das Felicitas Kukuck 1930 in Berlin  aufgeschrieben und um die 8. Strophe erweitert hat, ist nicht typisch mittelalterlich; es verbindet das Alte aber sehr gut mit unserer Zeit. Das mittelalterliche Empfinden war eher: Media vita in morte sumus - mitten im Leben sind wir im Tod. So sang man bereits um 750, lange vor den Pestepidemien.  In diesem Lied wird angesichts des Todes am Leben und seiner Freude festgehalten! Man möchte gar die Brücke nach 'drüben' zerschlagen. Doch diese übermütigen Beiltänzer werden natürlich auch ihre Reise antreten.

 

 

 

 

 

Es führt über den Main
LANDR-Es führt über den Main.mp3
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Ein Muslim und ein Christ beim Lautenspiel. Die Miniatur aus den Cantigas König Alfons´s X., des Weisen (1221-1284), veranschaulicht den orientalischen Einfluss auf die Entwicklung der Musik auf der Iberischen Halbinsel.

Choral 'Auf meinen lieben Gott'
Melodie: Jakob Regnart 1574 (Text 1603)
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Anfang des Johannesevangeliums im Book of Kells

Christ ist erstanden
Der wohl älteste Choral in deutscher Sprache - um 1100
LANDR-Christ ist erstanden.mp3
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Book of Kells

Merseburger Zaubersprüche - Gitarre: Jürgen Wagner, Flöte und Gesang: Sonja Grashorn ( Spontanaufnahme)
Die „Merseburger Zaubersprüche“ wurden im zehnten Jahrhundert niedergeschrieben. Sie sind die bis heute weltweit einzigen bekannten Schriftstücke 'heidnischen' Inhalts, die unverändert in althochdeutscher Sprache vorliegen. Der erste Spruch ist für die Befreiung gefangener Krieger, der zweite für die Heilung eines Pferdes. Die Musik stammt von der Gruppe Ougenweide von 1974.
LANDR-Merseburger Zaubersprüche.mp3
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Ein Adler aus dem Book of Kells

Tanz F-Dur
Eigene Komposition
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Der von Obernburg überreicht knieend seiner Dame ein Lied

(Codex Manesse, Anfang 14. Jh.)

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