Jürgen Wagner
Jürgen Wagner

 

 

DEUTSCHLAND

 

 

Die großen Migrationsströme unserer Zeit sind der Auslöser, dass viele Menschen wieder Zuflucht und Sicherheit in ihrer nationalen Identität suchen - auch in Deutschland. Zunehmende Verarmung und sozialer Abstieg sorgen auch hier dafür, dass sich Menschen radikalisieren und empfänglich werden für politische Hassparolen, materielle Versprechen und durchschaubare Lügen. Das Vertrauen in die eigene Kraft weicht diffusen Ängsten und einem Sündenbockdenken.

 

Nicht nur der Einzelne muss lernen und sich weiterentwicklen, das tun auch die Gemeinschaften und Völker.  Wo stehen denn wir heute? Dazu muss man wissen, woher wir kommen, was unser Land denn ausgemacht hat. Es waren nicht nur die Dichter und Denker, es waren auch die Handwerker, Tüftler und Techniker, die fleißigen Spinnerinnen und starken Frauen, Bauern und Bäuerinnen. Zentral war von alters her die Familie als Kern der Gesellschaft und die Treue als wichtigstes Bindeglied.

 

Aber wir waren nie ein einiges Land: wir waren eine Vielfalt von Stämmen, die immer sehr kriegerisch waren und lieber gegeneinander als miteinander kämpften. Das beste Beispiel ist Arminius. Er konnte etliche Stämme einen und den Römern erstmals eine vernichtende Niederlage zufügen konnte, so dass sie die rechtsrheinischen Gebiete nicht mehr betraten. Anstatt ihn als Held zu feiern, wurde er von Verwandten ermordet, damit er nicht zu mächtig wird.

 

Sind wir vielleicht irgendwo immer noch die alten Krieger, die lieber den politischen, weltanschaulichen oder persönlichen Gegner bekämpfen als m i t ihm um eine gemeinsame Lösung ringen? Oder reifen wir heran zu einer neuen Weltsicht, dass wir nur miteinander überleben können und werden, dass Mitgefühl keine Schwäche, sondern Zeichen von Menschlichkeit ist, dass das Leben nicht nur in Aktion, Reichtum und Erfolg besteht, sondern auch in Zurückhaltung, Bescheidenheit und Muße?

 

 

 

 

 

 

 

Landschaft in Nordrhein-Westfalen

 

 

 

Man denkt, Geschichte sei vergangen -

Sie kann uns schnell von vorn empfangen,

dann kommt er wieder, dieser Mist,

wenn nichts geheilt, bewältigt ist!

 

Das deutsche Land, wie ist's geworden?

Germanen, Kelten, wilde Horden,

haben sich sehr gern bekriegt,

die Römer einmal auch besiegt

 

Sie übernahmen dann von Rom

nicht nur Kultur, auch Religion,

das Reich und kaiserliche Bindung;

die Klöster sorgten für die Bildung

 

Im Mittelalter wuchsen Städte

Man fragte, welchen Stand man hätte

Der Handel blühte, Wissenschaft,

Der Papst, der Kaiser hatten Macht

 

Dann wurd' die Ordnung schwer erschüttert

und viele Leute hat's verbittert:

die Luthersche Reformation

Man löste sich vom 'heilgen' Rom

 

Es folgten Kriege mit viel Toten

Vernunft wurd spät erst aufgeboten

für einen weltlich starken Staat

Das Frankenreich schritt groß zur Tat

 

Doch Kriegslust nahm einfach kein Ende.

In uns'rer Zeit erst kam die Wende

Man hatte Kriege endlich satt

und lernte Frieden nun anstatt,

 

die Freiheit, die Demokratie,

die Würde und Autonomie

Der Wohlstand wuchs, der Wettbewerb

doch blieb das Leben seltsam herb

 

Zufriedenheit - wer hat sie schon?

So pfleg man einen ruhigen Ton

Bescheiden wird man schnell genesen,

ist frei nun - für das Wohl der Wesen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

 

Die Geschichte

 

 

 

Die ältesten Siedlungsbelege auf dem Gebiet der heutigen Bundesrepublik Deutschland sind etwa 700.000 Jahre alt, man geht von einer dauerhaften Besiedlung seit rund 500.000 Jahren aus. Der 'Homo heidelbergensis' und der  der aus diesem hervorgegangene Neandertaler sind bekannt. Dieser wurde vor etwa 40.000 Jahren von dem aus Afrika zugewanderten Homo sapiens, dem modernen Menschen, verdrängt.

 

In der Jungsteinzeit entwickelten sich Ackerbau, Viehzucht und feste Siedlungsplätze. Aus dieser Zeit sind einige bedeutende kulturelle Funde erhalten, wie etwa die Himmelsscheibe von Nebra, die darauf deutet, dass schon um 2000 v. Chr. in dieser Region Astronomie betrieben wurde. D.h. es ist wohl ein Vorurteil, dass die Bewohner ‚Europas‘ barbarisch und primitiv waren, während andere Kulturen zu dieser Zeit schon eine hohe Entwicklung genommen haben. Sie waren gewiss nicht so weit entwickelt, aber es gab auch Ansätze.

 

 

 

 

Die ca. 4000 Jahre alte Himmelsscheibe aus Sachsen-Anhalt stellt den Nachthimmel dar mit Vollmond und aufgehendem Mond und das Siebengestirn (die Plejaden). Unten fährt das Sonnenschiff, 2 Horizontbögen (von denen nur noch einer erhalten ist) halfen wohl zu Bestimmung des Sonnenjahres.

 

 

 

 

Erste schriftliche Erwähnung finden keltische und germanische Stämme bei den Griechen und Römern in der vorchristlichen Zeit. Das heutige Deutschland war schon mit Beginn der Hallstattzeit (1200 bis 1000 v. Chr.) von Süd- bis Mitteldeutschland keltisch besiedelt. Um 600 v. Chr. kam es in Norddeutschland zur Herausbildung der Jastorf-Kultur, die als germanische Kultur angesehen wird. Die mit den Germanen verwandten Kelten lebten in Nachbarschaft und in der rheinischen Kontaktzone teilweise auf sich überschneidenden Gebieten. Jahrhundertelang gab es kulturellen und wirtschaftlichen Kontakt, wodurch keltische Lehnwörter in die germanischen Mundarten aufgenommen wurden.

 

 

 

 

 

Germanisches Gehöft

 

 

 

Von 58 v. Chr. bis etwa 455 n. Chr. gehörten die Gebiete links des Rheins und südlich der Donau zum Römischen Reich, von etwa 80 bis 260 n. Chr. auch ein Teil Hessens (Wetterau) sowie der größte Teil des heutigen Baden-Württemberg südlich des Limes. Die Römer gründeten viele Legionslager, die sich später zu Städten entwickeln konnten. Wichtigste Städte zu römischer Zeit waren Trier, Köln, Augsburg und Mainz (die ältesten Städte Deutschlands). Die Gebiete im heutigen Deutschland, die außerhalb der römischen Herrschaft lagen, bezeichnete das Römische Reich als Magna Germania oder Barbaricum. Zur Sicherung der Grenzen siedelten die Römer befreundete germanische Stämme in den Provinzen an. Außerdem wanderten Siedler aus anderen Teilen des Römischen Reiches, insbesondere aus Italien, ein und wurden westlich des Rheins und südlich der Donau sesshaft. Weitreichende Neuerungen, die auch das deutsche Vokabular beeinflussten, führten die Römer insbesondere in Hausbau, Handwerk, Wein- und Ackerbau sowie Verwaltung und Militär ein. Tacitus’ im Jahr 98 entstandene Schrift Germania ist die älteste völkerkundliche Beschreibung der germanischen Stämme. Von Deutscher Geschichte sprechen wir offiziell, seitdem das Reich Karls des Großen (768-814) unter seinen Enkeln aufgeteilt wurde. Da der östliche Teil eine rein germanische Bevölkerung hatte, hieß sein erster Herrscher Ludwig, Rex Germanorum (König der Germanen); erst viel später ist daraus Ludwig der Deutsche geworden. Damals nannte man allenfalls die Sprache deutsch; erst in der Zeit Ottos I. (936-973) ging der Ausdruck auch auf Volk und Land über. Aber nur wenige Nachbarn haben ihn übernommen, z. B. Italiener, Skandinavier und Niederländer. Alle anderen Völker haben andere Namen gewählt (Germany, Allemagne).

 

Eine Vorentscheidung darüber, was einmal deutsch heißen und gemeinsame nationale Merkmale zeigen sollte, hatte der Germanenfürst Hermann der Cherusker (Arminius) schon fast tausend Jahre früher herbeigeführt: 9 v. Chr. hatte er die römischen Legionen des Feldherrn Varus im Teutoburger Wald besiegt. Die Römer verfolgten den Plan, die rechtsrheinischen Gebiete, das von ihnen so genannte Germanien, zu erobern und die dort lebenden Völker zu unterwerfen. Durch List und Klugheit und die Gunst der unwegsamen Wälder, Moore und Sümpfe gingen damals 3 Legionen, 1/8 des römischen Heeres unter (ca. 18.000 Mann). Seitdem blieben die Römer am Rhein und an der Donau stehen. Das hatte zur Folge, dass sich die späteren Deutschen von ihren westlichen und südlichen Nachbarn in mancher Hinsicht unterschieden: Sie wurden nicht "romanisiert"; das heißt, dass sie von römischer (lateinischer) Sprache und Kultur sehr viel weniger beeinflusst waren.

 

 

 

 

 

 

 

 

Deutschland lässt sich zwar nicht ganz mit jenem berühmten Dorf in Gallien identifizieren, das eine Comic-Serie so berühmt machte, aber es ist nicht abzustreiten, dass es sein Selbstbewusstsein und viele Aspekte seiner Prägung in Auseinandersetzung mit Rom errungen hat. Man baute Straßen, Thermen, Tore, legte Weingärten an. Man übernahm die Religion und krönte seinen eigenen Cäsar/Kaiser. Man fühlte sich als Erbe des untergegangenen großen römischen Weltreiches und nannte sich stolz 'Heiliges römisches Reich deutscher Nation'. Erst mit Martin Luther im 16. Jahrhundert streifte man den mächtigen römischen Einfluss zu einem Teil wieder ab.

 

 

 

 

Die Externsteine im Teutoburger Wald

 

 

 

 

 

 

Die alten Mythen und Heroen
war'n dem Untergang geweiht
Was sie ahnten, in sich trugen
war weit mehr als Krieg und Streit

Der neue Mythos und Erlöser
hat uns Glaub und Lieb gebracht
Doch wir haben aus der Demut
eine Weltherrschaft gemacht

Könnten wir noch einmal finden,
was die Alten einst erstaunt,
was sie niemals niederschrieben,
was sie heimlich nur geraunt?

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die ‚deutsche‘ Eiche

 

 

 

 

Wie ehrwürdig, eigen, mächtig, stark

Ein Riese, unbeugsam, autark

Ein Vor- und Sinnbild für uns Menschen

Was wir vielleicht innig wünschen

Jedoch niemals so realisier’n

Nurmehr symbolisch deklarier’n:

Wie eine Eiche möcht'man steh’n

Und souverän durch’s Leben geh’n

 

Das Eichenlaub hütete noch mehr

Den alten Kult, Geld, Militär

Der Leu und Adler aller Bäume

Beflügelte der Mächt’gen Träume

Selbst Bonifaz konnt’s nicht verhindern

Den Kult nur graduell vermindern

Robust und knorrig und gekerbt

So steht sie da, erhebt und färbt

Auch unser Leben, uns’ren Staat

Was doch so einiges besagt

Die Eiche ist uns überlegen

Sie gibt uns vielleicht ihren Segen

Zu uns’rem menschlichen Geschäft

Wenn mal versiegen uns’re Kräft’

Man könnte sich bei ihr erholen

Sich nähern ihr auf leisen Sohlen

Verharren still an ihrem Stamm

Und mit ihr  s t e h en, Frau wie Mann

 

 

 

 

Weltweit gibt es rund 600 Eichenarten. In Mitteleuropa ist der Artenreichtum der Bäume allerdings durch die letzten Eiszeiten stark eingeschränkt: zwischen dem aus dem Norden vordringenden Eis und den Alpen blieb kaum eine Rückzugsmöglichkeit für die Bäume übrig. Es gibt vor allem zwei recht weit verbreitete Eichenarten in Deutschland, die sich nur wenig unterscheiden: die Stieleiche und die Traubeneiche.

 

Als Symbol mit mythischem Charakter gelten die vielen „1.000-jährigen“ Eichen.

Diese bildeten u.a. heilige Haine und Einfriedungen von Höfen oder Gütern. Als Ort des Things und als Gerichtseichen haben sich diese Bäume weit in aufgeklärte Zeiten gerettet. Eichenalleen kennen wir aus nördlichen und östlichen Ländern sowie aus den Niederlanden.

 

Mit dem Namen Eiche werden häufig Vorstellungen von Kraft, Stärke, Dauer,

Standhaftigkeit oder Ewigkeit verbunden. Redewendungen wie "stark wie eine Eiche"

oder "ein Kerl wie eine Eiche“ zeugen davon.

 

In den alten Religionen, Mythen und Sagen war die Eiche ein heiliger Baum – häufig in Verbindung mit blitztragenden Göttern. Durch den römischen Geschichtsschreiber Plinius den Älteren ist überliefert worden, dass die Kelten ohne Eichenlaub gar keine kultischen Handlungen vollzogen. Bonifatius (Apostel der Deutschen) fällte die Donareiche bei Geismar im Jahr 723, um den zu bekehrenden Heiden zu beweisen, dass ihr Gott ein ohnmächtiges Wesen sei, das nicht einmal seinen Baum schützen könne. Man hatte damals nicht die Idee oder den Mut, im Gegenzug ein Kreuz zu zerschlagen, um zu sehen, ob der Christengott dies verhindern würde.

 

Bei der Bundeswehr findet man das Eichenlaub in Form eines Kranzes bei diversen Abzeichen wieder, bei unserer Währung auf den ein, zwei und fünf Cent Stücken.

 

 

 

 

Das Allgäu

 

 

 

 

 

FAUSTISCHES

 

 

 

Der Worte sind genug gewechselt,

Lasst mich auch endlich Taten sehn;

Indes ihr Komplimente drechselt,

kann etwas Nützliches geschehn

 

 

Ich bin von je

der Ordnung Freund gewesen

 

 

Grau, teurer Freund, ist alle Theorie

und grün des Lebens goldner Baum

 

 

Die Botschaft hör ich wohl,

allein mir fehlt der Glaube

 

 

Es irrt der Mensch,

solang er strebt

 

 

Wer immer strebend sich bemüht,

den können wir erlösen.

 

 

Was du ererbt von deinen Vätern hast,

erwirb es, um es zu besitzen.

 

 

 

J.W. von Goethe, Faust

 

 

 

 

 

 

 

Der Deutsche

 

 

 

 

Dem deutschen Menschen sagt man nach

er sehe etwas überscharf

die eignen Fehler und Gebrechen

und weide sich an seinen Schwächen

 

Das kommt wohl nicht von ungefähr

auch wenn’s uns anders lieber wär’

Zur Ehrenrettung werf' ich ein:

Wir können durchaus glücklich sein,

 

wo man erkennt, gewinnt und liebt.

Die schöne Kunst uns vieles gibt

Wenn uns ein Kind geboren ist

Etwas gelingt noch in der Frist

Der Wald schenkt uns so viele Freuden

Von uns'rem Garten ganz zu schweigen

Was uns so unzufrieden macht:

ist's das, das wir doch allzuviel gedacht?

 

Kritik ist eine Fähigkeit

die uns einbringt manches Leid,

jedoch zu Großem immer taugt,

uns manchmal in die Höhe schraubt

 

Zu wünschen bleibt uns mancherlei

Wachsamkeit das erste sei,

zu wahren, was da ist geworden

uns dennoch nicht verlier'n in Sorgen

 

Wir bleiben stark und frohgemut,

bewahren uns ein ruhiges Blut

Wenn wir zuletzt das Lassen lernen,

dann sind wir fast schon bei den Sternen

 

 

 

 

Das deutsche Wappentier: der Seeadler

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