Jürgen Wagner
Jürgen Wagner

Amerika

 

 

 

 

 

 

 

Auch wenn die USA heute ein Land vieler Nationen und Kulturen sind: es war das Land der Indianer, das europäische Einwanderer ihnen entrissen und sich angeeignet haben. 1776 lösten sie sich vom Königreich England und gründeten einen eigenen unabhängigen demokratischen Bundesstaat: die 'Vereinigten Staaten von Amerika'.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Es geht hier nicht um das faszinierende moderne Amerika, sondern um eine Rückschau auf die traditionellen Wurzeln, die für uns heute wichtiger denn je sind. Ein paar Zitate, Bilder, Musik und Poesie mögen uns da mitnehmen.

 

 

Die Rocky Mountains, ein ausgedehntes, 5000 km langes Felsengebirge im Westen der USA

Die Rocky Mountains
Musik: Indians - Sacred Spirit; Zusammenstellung: JW
RM.mp4
MP3-Audiodatei [81.0 MB]

Einer der wohl faszinierendsten Plätze in den USA ist der Yosemite Nationalpark in Kalifornien. Das Gebiet um das Yosemite Valley war ursprünglich von den Ahwahneechee-Indianern bewohnt, die der Region auch ihren Namen gaben. Diese wurden 1851 aus der Region vertrieben und weiße Siedler ließen sich in dem Naturparadies nieder.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

“Lehrt eure Kinder, was wir unsere Kinder lehrten. Die Erde ist unsere Mutter. Was die Erde befällt, befällt auch die Söhne und Töchter der Erde. Denn das wissen wir: die Erde gehört nicht den Menschen – der Mensch gehört zur Erde. Alles ist miteinander verbunden wie das Blut, das eine Familie vereint.”

 

 

 

 

Woniya wakan

 

 

 

Lasst uns alle hier niedersitzen in der freien Prärie, wo wir keine Straße und keinen Zaun sehen. Setzen wir uns nicht auf eine Decke, unsere Körper sollen den Boden spüren, die Erde, den Widerstand der Stauden, die sich unserer Berührung anpassen. Das Gras soll unsere Matratze sein, damit wir seine Schärfe spüren und seine Weichheit. Lasst uns wie Steine sein, wie Pflanzen und Bäume. Lasst uns Tiere sein, lasst uns denken und fühlen wie sie. Horch auf die Luft! Du kannst sie hören, sie spüren, sie riechen und schmecken. Woniya wakan, die heilige Luft, die alles mit ihrem Atem erneuert. Woniya, woniya wakan: Geist, Leben, Atem, Neuwerdung — das Wort bedeutet all dies. Woniya — wir sitzen nebeneinander, wir berühren uns nicht, aber etwas ist da; wir fühlen, dass etwas in unserer Mitte gegenwärtig ist. Das ist ein guter Anfang, um über die Natur nachzudenken und über sie zu reden. Aber reden wir nicht nur über sie — reden wir mit ihr, sprechen wir mit den Flüssen, den Seen und den Winden wie mit unseren Verwandten.

 

 

 

Lame Deer, 1900-1974, Medizinmann der Sioux

 

 

 

 

Cheyenne River Reservation, Süd-Dakota

 

 

 

 

 

Sei dankbar den Tieren -
sie sind der Ursprung Deiner Kraft.

 

 

 

 

 

Yellowstone Nationalpark, Montana

 

 

 

"Wie kann ich die Luft, die ich atme, den Boden, über den ich reite, die Blätter eines Baumes, die im Wind rascheln, wie kann ich einen Teil des Windes, einen Teil der Wolken, einen Teil der Erde als etwas erklären, das nur mir allein gehört?"

 

 

 

Red Cloud, Sioux Häuptling, 1822-1909, einer der größten militärischen und politischen Führer der Prärie-Indianer.

 

 

 

 

"Behandele einen Stein wie eine Pflanze, eine Pflanze wie ein Tier und ein Tier wie einen Menschen".

 

 

 

Sitting Bull, 1831-1890 Stammeshäuptling und Medizinmann der Hunkpapa-Lakota-Sioux. Als vor allem spiritueller Anführer leistete er jahrelangen Widerstand gegen die US-amerikanische Regierungspolitik.

 

 

 

Weißt du, dass die Bäume reden?

Ja, sie reden.

Sie sprechen miteinander,

und sie sprechen zu dir,

wenn du zuhörst.

Aber die weißen Menschen

hören nicht zu.

Sie haben es nie der Mühe wert gefunden, uns Indianer anzuhören,

und ich fürchte,

sie werden auf die anderen Stimmen

in der Natur nicht hören.

Ich selbst habe viel von den Bäumen

erfahren:

manchmal etwas über das Wetter, manchmal über Tiere,

manchmal über den Großen Geist.

 

 

 

Tatanga Mani

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Tatanga Mani (1871 - 1967), Walking Buffalo, gehörte zum Volk der Stoney in Kanada. Obwohl er als Kind von einem weißen Missionar adoptiert worden war und eine gute Schulausbildung erhalten hatte, vergaß er seine Herkunft nie. Er wurde Häuptling seines Volkes in jener schwierigen Zeit, als die Indianer ihren Lebensraum verloren hatten und mit der Zivilisation der Weißen konfrontiert wurden

 

 

 

 

 

Die verrückte und kranke Welt des weißen Mannes

 

Vieles ist töricht an eurer sogenannten Zivilisation. Wie Verrückte lauft ihr weißen Menschen dem Geld nach, bis ihr so viel habt, dass ihr gar nicht lange genug leben könnt, um es auszugeben. Ihr plündert die Wälder, ihr schlachtet Tiere ab, ihr verschwendet die natürlichen Brennstoffe, als kämen nach euch keine Generationen mehr, die all dies ebenfalls brauchen. Die ganze Zeit redet ihr von einer besseren Welt, während ihr immer größere Bomben baut, um jene Welt, die ihr habt, zu zerstören.

 

Tatanga Mani

 

 

 

 

 

 

 

Der Bear Butte - heiliger Berg der Cheyenne wie auch der Sioux, ein Platz der Visionssuche (Süd-Dakota)

 

 

 

Visionssuche

 

 

 

 

Die Visionssuche ist ein Gang in völlige Einsamkeit für längere Zeit ohne Sicherheiten und Nahrung, um in der Abgeschiedenheit und Entbehrung vielleicht etwas zu bekommen, was den eigenen Weg neu bestimmt - oder die Antwort auf eine Frage gibt - oder eine Heilung bewirkt. Er wird meist von einem älteren Menschen aus der Ferne begleitet.

 

 

 

 

 

 

Die Schwitzhütte

 

 

In der Schwitzhütte sitzt man in einer mit Wolldecken behangenen Weidenhütte im Kreis auf der Erde. Heiße Steine, die 'Großväter', werden in die Mitte gebracht. Es herrscht eine fast nicht mehr auszuhaltende Hitze. Bei geschlossener Tür werden heilige Lieder gesungen und Gebete gesprochen. Wasser wird auf die glühenden Steine gegossen und Kräuter auf sie gelegt. Es ist dunkel, man ist quasi im Leib der Mutter Erde. So kommt es, an den Grenzen dessen, was man ertragen kann, zu körperlicher und seelischer Reinigung und man ist vorbereitet auf ein Ritual, eine Visionssuche, eine neue Aufgabe, einen neuen Lebensabschnitt.

 

 

 

 

Der Kreis

 

 

 

 

"Alles, was die Macht der Welt tut, geschieht in Form eines Kreises. Der Himmel ist rund, und ich habe gehört, dass auch die Erde rund ist, genau wie die Sterne.

Der Wind entwickelt seine größte Kraft in Wirbeln. Vögel bauen ihre Nester kreisförmig, denn sie haben dieselbe Religion wie wir.

Die Sonne geht in einem Kreis auf und unter. Genau wie der Mond, und beide sind rund.

Selbst die Jahreszeiten bilden einen Kreis in ihren Läufen und kommen stets dorthin zurück, wo sie bereits waren.

Das Leben des Menschen ist ein Kreis von Kindheit zu Kindheit. Und so ist es mit allem, in dem die Macht sich regt".

 

Black Elk. Oglala-Sioux, 1863-1950

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Kinder

 

 

“Im Stamm der Lakota war jeder gern bereit, Kinder zu betreuen. Ein Kind gehörte nicht nur einer bestimmten Familie an, sondern der großen Gemeinschaft der Sippe. Sobald es gehen konnte, war es im ganzen Lager daheim, denn jeder fühlte sich als sein Verwandter. Meine Mutter erzählte mir, dass ich als Kind oft von Zelt zu Zelt getragen wurde und sie mich an manchen Tagen nur hie und da zu Gesicht bekam. Niemals sprachen meine Eltern oder Verwandten ein unfreundliches Wort zu mir, und niemals schalten sie mich, wenn ich etwas Falsches getan hatte. Ein Kind zu schlagen, war für einen Lakota eine unvorstellbare Grausamkeit.”  

 

  

Luther Standing Bear, Häuptling der Oglala-Lakota, 1868–1939

 

 

 

 

 

 

Der Tanz

 

 

 

Man tanzte bei den indianischen Völkern nicht zur geselligen Unterhaltung, sondern zum Beginn der Jagd, einer Jahreszeit, eines Kampfes, zum Dank an die Erde, zur Bitte um Regen, eine gute Ernte, einen Erfolg bei der Jagd. Der Tanz musste nicht um das Feuer sein, aber in der Nacht zündete man ein Feuer an und diese lichtvolle wärmende Mitte bot sich natürlich auch für den Tanz an.

 

 

Aufziehendes Gewitter in Sedona, Arizona

Bild © danharwardt/Fotolia

 

 

The Cactus

 

 

 

In blistering heat
in company of rocks and sand
and perpetual dryness
the cactus takes care of himself
- and grows and blooms in silence

 

 

 

 

 

 

Sonnenuntergang bei Phönix, Arizona

Bild © jenifoto/Fotolia

 

Die Schildkröte und der Frosch

 

 

 

Keha, die Schildkröte

lebte lange ohne Nöte,

hatte sie seit Jahren doch

ihren Gnaske, einen Frosch

 

Dieser war ihr bester Freund,

mit dem sie nächtens auch mal träumt

Sie schwatzt mit ihm tagaus tagein

am See auf einem großen Stein

 

Da brach ein Wetter auf sie nieder

‚Ich werde nass‘, sagt sie, ‚mein Lieber,

ich werde mich hier noch erkälten,

das geschieht zwar ziemlich selten,

 

doch ich möchte sicher geh‘n,

lass uns schnell von dannen geh‘n!‘

Bevor sie wurden nass und nasser,

sprangen beide in das Wasser

 

 

 

Nach einem Märchen der Prärie-Indianer

 

 

 

 

 

 

Joshua Tree Nationalpark, Kalifornien

 

 

Mojave Desert

 

 

 

Rocks laying around
Big toys giants have played with
Rest in their shadow

 

 

 

 

 

 

Ein Powwow ist ein Treffen nordamerikanischer Indianer um gemeinsam zu tanzen, zu singen, Kontakte zu knüpfen und die Kultur zu ehren. Sie sind heute der in der Öffentlichkeit deutlichste Ausdruck der nordamerikanischen Indianerkulturen.

 

 

 

 

 

 

 

 

Der moderne Traum

 

 

 

 

Wir sitzen nicht mehr auf dem Boden,
wir träumen nicht mehr mit dem Fluss
Wir wollen keine Leiden, Schmerzen
'Glücklich sein' ist unser Muss

Wir sehen kaum den Sternenhimmel,
wir kennen keine Kräuter mehr
Wir umarmen keine Bäume
und finden unser Leben schwer

 

Wir geh'n auf keinen Berg zum Beten,
wir nähen uns kein eig'nes Kleid
Wir leben wenig miteinander
und haben selten einmal Zeit

 

Wir schwimmen nicht mehr in den Seen,
begegnen selten nur den Tier'n
Wir legen uns auf keine Wiese
und fürchten uns vor dem Verlier'n

 

Wir hör'n den Lärm, doch nicht die Stille,
wir seh'n Plakate, nicht den Stein
Wir geh'n auf Asphalt, nicht auf Erde
und leiden unter Seelenpein

 

 

 

 

 

 

Montana

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