Jürgen Wagner
Jürgen Wagner

 

 

 

 

Kettengedichte

 

 

 

 

 

In Japan gibt es seit dem 13. Jh. die Form des RENGA, eines Kettengedichtes. Man praktizierte dies bei gemeinschaftlichen Treffen von Dichtern. Einer begann, meist mit einem Dreizeiler (Haiku), ein anderer antwortete mit einem Zweizeiler , der nächste entwarf einen neuen Dreizeiler usf. Hier ein Beispiel aus unserer Zeit:

 

 

Kastanienbaum –

Der Fahrradkorb darunter

füllt sich mit Blüten …

 

auf dem Nachhauseweg ganz

behutsam um jeden Stein

 

     Hingestreut

     auf dein Kopfkissen

     ein weißer Blütentraum

 

    ...

 

Franz-Christoph Schiermeyer/ Claudia Brefeld/Jürgen Wagner

 

 

 

 

 

Ich lade Euch ein, ob Dichter oder nicht, hier zu neuen Gemeinschaftsgedichten etwas beizutragen durch einen 'Kommentar' - seien es 2 oder 3 Zeilen! Das ist tatsächlich eine Erfahrung! Möglichst im japanischen Kurzstil ohne Reime. Das traditionelle Silbenschema der Grundform des TANKA (5-7-5 7-7) muss hier nicht berücksichtigt werden, kann aber. Gerne darf man auch eine neue Kette eröffnen!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

I    Am Ende des Tages

 

 

 

So erschöpft am Abend!

Zwei Meisen tschilpen

vergnügt auf dem Balkon ...

(JW)

 

Ihre wachen Augen betrachten
den Gärtner mit Schweiß auf der Stirn.

(Dorothee Firus)

 

 


   Der milde Wind streift dein Gesicht

   Mit ihnen

   hinauf in höhere Sphären!

    (Monika Krpic)

 

   Auch dort sind Begleiter
   Ob man es weiß oder nicht

    (M.K.)

 

 

 

Puppenspieler

ziehen leise Fäden

Es geht durch Täler und Wellen

(M.K.)

 

 

Der richtige Weg

Irgendwann muss gelernt werden

(M. K.)

 

 

 

   Loblieder in der Nacht

   Genährt und gestillt

   Der Wind trägt sie weiter

    (Johanna-Dorothea Greiner)

 

 

    Kein Säen, kein Ernten

    Der himmlische Vater versorgt sie doch

     (J.-D.G.)

 

 

 

Ein letzter Sonnenstrahl
weist ihnen

den Weg

(Hannah)

 

 

 

 

 

 

 

II    Das Paar

 

 

 

China-Restaurant ...

Lauter als die Festgesellschaft

Unsere Sprachlosigkeit

(JW)

 

Übertönt von denen,
die sie nicht hören können

(Hannah)

 

 

 

   Ob in der Gruppe, in der Ehe,
   vereint nur zeitweilig -
   Jeder ist auch allein.

    (Jolanthe)

 

 

   Ob in der Herde, ob zu zweit

   Wie herrlich, miteinander zu laufen!

      (JW)

 

 

Ein Pflaumenwein

auf das, was uns zusammengeführt hat!

Der Buddha sitzt still daneben

(JW)

 

Blicke und Gefühle prickeln

stärker als tausend Worte

(Monika Krpic)

 

 

 

   Ein offenes Wort

   bringt Klarheit
   Doch riskiert Enttäuschung

     (Ulrike Wandtke)

 

 

   Ehrlichkeit, egal wie hart -
   wertvoller als jede Lüge

     (M.K.)

 

 

 

 

 

Hütte © | Dreamstime.com

 

 

 

III    Spalt

 

 

 

 

Breite Spalten in der Tür
lassen Wind und Regen ein.
ungeschütztes Ich ...

(Tilly Boesche-Zacharow)

 

 

Der Wandernde sucht Obdach

Wo, wenn nicht hier?

(JW)

 

Die Tür - weit offen
Licht und du

und Sonnenschein...

(TBZ)

 

 

Alte Risse im Mauerwerk

Platz für die Mauerblümchen

(JW)

 

 

Ein tröstlicher Lichtschein
fällt durch den Türspalt:
DAS LEBEN GEHT WEITER!

(Heidi Christa Heim)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

IV    Spinnennetz

 

 

 

 

Spinnengewoben
Tragik, seidig gehalten
Gedankenbeute

(Renate Tank)

 

 

Um Fliegen zu fangen, muss

man sich schon etwas einfallen lassen

(JW)

 

 

   So weltvergessen

   das kunstvoll göttliche Weben

   - verbunden mit allem

   (Andrea Dreibach)

 

 

   Der Jäger sitzt an einem Platz,

   den Du nicht kennst

   (JW)

 

 

Fäden - gerade und stark
oder klebrig gewunden
drehen sie sich um das Wesentliche

(H.)

 

 

Das Leben - ein Netz,

das Du nicht gewoben hast

(JW)

 

 

Halt gebend
Überlebenskampf
Von Menschenhand schnell zerstört

(Monika Krpic)

 

 

Was poetisch und ästhetisch wir finden,
bringt kleinstem Leben den sicheren Tod

(Ulrike Wandtke)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

V    Flut

 

 

 

Erfahrener Tod,

mit unserer Not spielst du?

Ihr Gewicht ist schwer.

 

Deine Sicht zeige mir an:

wie schmerzvoll bricht das Leben!
Renate Tank

 

 

 

Die Krabbenschar eilt

zum Versteck in den Steinen

Bald ruft sie die Flut

 

Der Mond bewegt die Meere

Ein stets reich gedeckter Tisch

JW

 

 

 

Gezeitenuhr weckt
Die Wassermassen drängen
Nasskalte Mäuler


Versteckspiel ist beendet

Schlemmen will jetzt die Natur

R. T.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

VI    Versuchung

 

 

 

 

 

In des Kellers kühlem Grund
spitzt der Küfer seinen Mund.
Von all den edlen,
süßen Reben
tät er selbst die meisten heben...

TBZ

 

 

Als er aus dem Keller kam,
es ihm fast den Atem nahm...

Paola Keren

 

 

Das Leben ist doch sehr beschwerlich,

sagen wir's einmal ganz ehrlich:

Hinab geht's leicht und schnell hinunter

Aufwärts braucht es fast ein Wunder

JW

 

 

 

Doch dadurch bleibt es immer bunt

im Blickfeld wie ein "bunter Hund"

Renate Tank

 

 

 

Versuchung kann was Gutes sein,

kann uns führen rasch hinein

in ganz neue Lebensräume -

jenseits aller edlen Träume

Adelheid

 

 

 

Blauer Küfer wird erst munter,

fällt er mal die Treppe runter.

Paola Keren

 

 

Vielleicht war das sein guter Engel

Bei dem Leichtsinn dieses Bengel

wäre Standhaft-sein gefragt,

eine Tugend angesagt

JW + Jolanthe

 

 

Doch manchem Bengel fällt's halt schwer,

wo nimmt er solchen ‚Ständer‘ her?

Paola Keren

 

 

Den Stand, den muss er sich erwählen

Auf die Frau kann er nicht zählen

Er braucht ihn letztlich in sich selbst

Gut ist es, wenn Du Dich stellst

JW

 

 

 

 

 

 

Der Kellermeister leert sein Glas,

ein Tröpflein ist noch drin im Faß.

Man kann es deutlich fühlen.

Es reicht, um sich nun abzukühlen.

TBZ

 

 

 

 

 

 

 

 

VII     In einer Nacht

 

 

 

 

Ich kann an meinem Fenster sehn,
wie sie heut' blüh‘n, die Orchideen
Es war wohl in dem Traum der Nacht,
da sie zu Neuem aufgewacht ...

TBZ

 

Ich weiß nicht wie mir heut geschah'

Es drängte mich, wohin ich sah

JW

 

 

 

Farbenträume,
- opulent wie im Orient.
Betäubende Pracht
so sinnlich lacht...

Renate Tank

 

Manchmal  werden Wunder wahr
- und sei's ein Kaktus wunderbar

P.K.

 

 

 

 

 

 

Zur "Königin der Nacht"
hat ihn die Natur gemacht.

TBZ

 

 

Bunte Schmetterlinge
auf Eisblumensträußen
Orchideen im Winter
Vorfreude auf den Frühling

Hannah

 

 

 

 

 

 

VIII    Frühlingsmorgen

 

 

 

 

 

Frühlingsmorgen

Das erste Lied des Tages

Wer stimmt es heut an?

 

Hannah

 

 

Nachtwache zur stillsten Zeit

gibt ganz neue Gedanken

 

JW

 

 

Aus Klang wird Jubel.

Küsse perlen aus Schnäbeln

Schmücken meinen Tag.

 

Renate Tank

 

 

Harter Waldboden. Nach unruhiger Nacht

grüßen hundert Stimmen das Morgenlicht

 

JW

 

 

Tau wandert zum Licht
In schimmernden Tropfen
Waldmeisterduft

 

Hannah

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

IX      Wie oft ...

 

 

 

 

 

Wie oft wurden mir

Herz und Seele aus

den Händen geschlagen...

 

Paola Keren

 

 

 

Am geheimen Ort ist Friede

Was wäre dort, was man wegnehmen könnte?

 

JW

 

 

 

Körper und Seele im Einklang

Energien strömen

Das Leben im Fluss

 

Hannah

 

 

Behüte deine Seele mit allem Fleiß

Daraus quillt das Leben

 

Salomo

 

 

 

Leib und Seele sind zwei Teile,

jedes hat ´nen andren Klang.

Doch ein Duett ergibt statt Langeweile

oftmals  prächt´gen Wohlgesang.

 

Paola Keren

 

 

Alleine auf dem Berg

Zwei Vögel leisten mir Gesellschaft

Was für ein friedlicher Morgen!

 

JW

 

 

Erkenn in ihrer Zwitscherweise

die Einladung zur geist´gen Reise.

 

TBZ

 

 

Lasse dich leiten

von der uralten Wahrheit

Fliege mit ihnen

 

Hannah

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

X    Karfreitag

 

 

 

 

Trauer in Kairo

Tränen in Stockholm

Passionszeit

 

JW

 

 

 

Wer beendet das Leid,

das von Menschen gemacht?

 

Hannah

 

 

 

Karfreitag in mir

Schon eine so lange Zeit

Die Engel wachen

 

Renate Tank

 

 

 

 

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