Jürgen Wagner
Jürgen Wagner

MÄNNLICHE GOTTHEITEN

ODIN/WODAN: DER EKSTATISCHE SCHAMANENGOTT

 

 

 

Der germanische Göttervater hat etwas zu tun mit einer  Gemütsbewegung, die leidenschaftlich, ungestüm ausfallen kann ('wütend'), aber auch sanft und leise (''watend'; die (lat.) vates sind die Seher, Dichter, Wahrsager). Die Christen setzten Odin gerne als Wüterich herab. Allerdings hatten zuvor schon die Heiden seine wilde, leidenschaftliche Seite mehr hervorgekehrt als seine sanfte und milde.

"Im Sturm der Elemente wie im Toben der Schlacht" sprach der Gott wohl vernehmlicher zu unseren Vorfahren "als im linden Säuseln des Hains" (Karl Simrock).

 

Odin erscheint als ein ekstatisch begabter Gott, der meist auf der Wanderschaft ist, die Wesen aufsucht oder nach Weisheit strebt - ganz anders als der still thronende und nur sprechende Schöpfergott. Beiden gemeinsam ist, dass sie durch ihren Geist Wunder zu wirken vermögen.

 

Die Menschen brauchten Wodan meist nicht, um selber weise zu werden, sondern für etwas anderes: für ihre Kämpfe und Kriege, für ihre Toten und Gefallenen, für ihre Felder und Ernten, für ihre harten Winter und bedrohlichen Stürme. 

 

 

Kap. 7 der Ynglinga Saga beschreibt ihn eigentlich als schamanischen Gott oder göttlichen Schamanen, was seinem Wesen wohl mehr gerecht werden dürfte als das wütend Kriegerische, das den Menschen der damaligen Zeit eigen war, als die Völker durch Europa wanderten und die Wikinger in Nordeuropa Angst und Schrecken verbreiteten.

 

 

Wenn Odin seine Gestalt ändern wollte, lag sein Körper wie schlafend oder tot; er selbst aber war ein Vogel oder ein wildes Tier, ein Fisch oder eine Schlange; und er konnte in einem Augenblick in ferne Länder fahren - in seinen oder Angelegenheiten anderer. Dazu vermochte er durch Worte allein Feuer zu löschen oder die See zu besänftigen; auch konnte er die Winde drehen, nach welcher Seite er wollte. Ein Schiff namens Skidbladnir besaß er, mit dem er über weite Meere fahren und das er wie ein Tuch zusammenfalten konnte. Stets hatte Odin Mimirs Haupt bei sich, und das sagte ihm mancherlei Neuigkeiten aus anderen Welten. Bisweilen erweckte er Tote aus der Erde oder setzte sich unter Gehenkten nieder. Daher nannte man ihn auch Herr der Geister und Gehenkten. Zwei Raben hatte er gezähmt, die zu ihm sprachen, und die flogen weit übers Land und brachten ihm manche Botschaft. Durch all dies wurde er wundersam weise. Odin wusste von allen vergrabenen Schätzen und wo sie versteckt waren, und kannte auch die Lieder, wodurch sich ihm die Erde öffnete, auch Berge, Felsen und Grabhügel; auch wusste er durch Magie allein alles zu bannen, was darin wohnte. Er ging auch selbst hinein und nahm sich, was er wollte. Wegen all dieser Künste war Odin berühmt; seine Feinde fürchteten ihn, doch seine Freunde vertrauten fest auf seine Zauberkraft und ihn selbst. Die meisten seiner Künste lehrte er die Opferpriester; und sie kamen ihm an Weisheit und Magie am nächsten.

 

 

 

 

 

 

 

Wednesday - Mittwoch

 

 

 

Im Wochentag klingt etwas an

Von einer Welt, die längst vergangen

Die Männer waren kriegerisch und hart

Nach Ruhm und Ehr stand ihr Verlangen

 

Dem Wotan war der Tag geweiht

Dem Gott des Krieges und der Toten

Der Weisheit lernte unter Leid

Zwei Raben hatte er als Boten

 

Sein Pferd, das trug ihn durch die Welten

Zwei Wölfe schützten ihn dabei

Sie halfen bei der Jagd. Nicht selten

Benutzte er auch Zauberei

 

Wer kämpfen muss, dem hilft er gerne

Dem Mutigen mit Rat und Tat

Wer stirbt von seiner Heimat ferne

Der darf in seine Ruhestatt

 

Die Weisheit war nicht leicht zu haben

Am Weltenbaum musst es gescheh’n

Dass er sich hingab mit den Fragen

Bis ihm's gegeben wurde zu versteh‘n

 

Sich hinzugeben an das Leben

Neun Tage lang, so wie es ist

Wär es dann möglich, dass w i r nehmen

Was die Welt nicht mehr vergisst?

 

 

 

Nach dem Runenlied Odins

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Triffst Du den Gott auf deinem Weg

 

 

 

 

Triffst Du den Gott auf deinem Weg

So bleib in deiner Mitte

Sei weder furchtsam noch beredt

Sei wach, setz deine Schritte

 

 

 

 

Der Wodan traf einst einen Mann

Der trunken ward vom Weine

Der ging nach Haus und hielt sich stramm

Doch war er ganz alleine

 

Ein Sturm hub an, da war es ihm

Als hört‘ er eine Stimme

‚Mann, hast du Kräfte um zu zieh‘n?‘

‚Ja sicher!‘ – und er hielt inne

 

‚Nimm diese Kette, fasse sie!

Lass uns die Kräfte messen!‘

Der Bauer griff so schnell wie nie

Von der Idee besessen

 

Er schlang die Kette um den Baum

Und band sie immer fester

‚Ich bin so weit!‘ Er sprach es kaum

Da zog es – liebe Schwester!

 

Der Wodan zog und zog, jedoch

Er machte keinen Meter

‚Das ist der Eichenbaum!‘ Und noch

Schon ich Dich, Übeltäter

 

Er kam herab um nachzuseh’n

Wie’s steht nun mit der Wette

Und sah den Bauer ruhig dasteh‘n

In seiner Hand die Kette

 

‚Wie machen das noch mal!‘ rief er

Kaum war er wieder oben

Da war das Ziehen eisenschwer

Und er am Wüten, Toben

 

Die Hunde schlugen plötzlich an

Die Eiche war am Krachen

Dem Bauern wurde angst und bang

Da hörte er ein Lachen

 

‚Hast gut gezogen‘, sprach die Stimm‘

‚Du bist der Allererste

Den ich im Wettkampf nicht bezwing

Vielleicht nicht grad der fairste!‘

 

So musst der Bauer nicht mit zieh’n

Durft auf der Erde bleiben

Der Wod warf einen Hirsch ihm hin

Um Hunger zu vertreiben

 

Er nahm ihn aus, nahm etwas mit

Das Wetter wurde milder

Da wurd’s ihm schwer bei jedem Schritt

Der Hirsch war Gold und Silber!

 

 

 

 

Nach einer Hannoverschen Sage in C. und T. Colshorn, Märchen und Sagen aus Hannover, 1854.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Auf die innere Stimme hören

 

 

 

Ein Junge trieb sein Vieh zum Berg

Da hörte er ein Klingen

Er sah sich um, sein Augenmerk

Galt diesem leisen Singen

 

Da plötzlich kam herauf ein Wind

Ein Heulen, Bellen, Sausen

Die Wilde Jagd, sie war’s bestimmt

Ein Gott ist auch im Brausen

 

So legte er sich auf die Erd

Ganz still und ganz ehrfürchtig

Er hat sich lange nicht gerührt

- Und war des Gottes würdig

 

Der wilde Sturm zog drüber weg

Und ließ ihn unbehelligt

Und e r stand auf von seinem Fleck

Und fühlte was von ‚heilig‘

 

 

 

 

Ein andrer lag auf einer Wies‘

Des abends an dem Feuer

Da hörte er, wie einer rief,

die Stimme ungeheuer:

 

‚Steh auf!‘ – Er sah sich um

Doch konnte niemand sehen

Da drehte er sich wieder rum

'Wozu denn jetzt aufstehen?'

 

Da kam die Stimme noch einmal

‚Steh auf!‘ – Doch er war träge

Er blieb bei seiner ersten Wahl

‚Wenn ich mich jetzt bewege,

 

So weiß ich nicht, was mir geschieht

Und also blieb er liegen.

Er hat sich nicht mal hingekniet

Die Furcht, die wollte siegen

 

Da nahm es ihn hinweg geschwind

Er konnt‘ es nicht begreifen

Das war wohl ein ganz andrer Wind

Der tat ihm etwas pfeifen

 

Er ging zurück, das Feuer lag

Verstreut und all die Kohlen

Nun stand er. Was man nicht vermag

Muss man wohl noch nachholen

 

 

 

 

Nach zwei Sagen aus Brandenburg in A. Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, 1843

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

INITIATION AM WELTENBAUM

 

 

 


 

Um Runenzeichen zu erspähen

Um sie zu deuten und verstehen

Um sie zu singen und zu senden

Gab er sich selbst aus seinen Händen

 

Der Gott ging zu dem Weltenbaum

Verschworen seinem großen Traum

Er stieg hinauf in seine Äste

Hing dort neun Tage und neun Nächte

 

Vom Speer verwundet hingegeben

Und da geschah’s! Er konnt‘s erleben

Er konnt sie schauen und betrachten

Er konnt verstehen und beachten

 

Er konnt sie lernen und anwenden

Mit großer Kraft sie ritzen, senden

Mit Dichtermet wurd er getränkt

Mit hoher Einsicht reich beschenkt

 

 

Denn will man Großes mal erlangen

Und für sein Leben was empfangen

Darf man vertrauen, sich aussetzen

Die Götter wissen es zu schätzen!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Mimirs Brunnen

 

 

 

Willst du in Geisteswelten schauen

Willst du dir wirklich etwas trauen

Wend dich ein Stück von dieser Welt

Und sieh, was dich dort drüben hält

 

Willst du die Hilfe hoher Geister

Willst du den eig'nen inn'ren Meister

So schließ die äuß'ren Augen zu

Und werde stille, komm zu Ruh

 

Und lass Dir etwas schenken, geben

Vertraue auf dein inn'res Leben

Der Brunnen quillt im Hier und Jetzt 

Was du gegeben, wird ersetzt

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Berühmt berüchtigt ist WODAN als Kriegsgott. Doch tatsächlich hat er niemanden zum Kriege angestachelt, er wurde von den Menschen so angerufen.  Auch der Gott Israles und Vater Jesu Christi ist in allen wichtigen Kämpfen und Kriegen angerufen worden. Das kann ein Gott nicht verhindern, aber er kann weise vermitteln. Und der Himmel der Alten hatte eben auch noch eine weise und kluge Frau an der Seite des Göttergatten. Die Sage von der Entstehung des Langobardenvolkes (die 'Langbärtigen') berichtet davon. Gambara und ihre beiden Söhne führten damals die 'Winnilen' an, welchen Namen sie damals noch trugen.

 

 

 

 

 

 

 

KRIEG UND FRIEDE

 

 

 

 

 

Im Krieg darf jeder nur gewinnen

Man plant, taktiert, fast wie von Sinnen

Kämpft man für die eig’ne Sache

Und wer verliert, sinnt noch auf Rache

 

Der Himmel, der soll einem helfen

Man fragt nach Gott - nur welchen

Könnte man hierzu bewegen?

Der Wodan, der gibt sicher seinen Segen

 

Sagten sich einst die Vandalen

Die Winniler wollt’n sie schlagen

Sie unterwerfen, dass sie zahlen

Sonst litten sie die höchsten Qualen!

 

Der Wodan sprach zu den Vandalen:

Den Sieg soll morgen davontragen

Den ich als erstes in der Frühe seh

Bei Sonnenaufgang ihn erspäh!

 

 

Gambara sprach mit ihren Söhnen

Wir wollen dieses Volk nicht löhnen

Lass uns mit den Vandalen kämpfen

Und uns bewähr’n als tapfre Menschen!

 

Gambara trat vor Wodans Frau

Die Frigga, die war schon sehr schlau:

Bevor der Tag noch hat begonnen

Soll‘n Frauen mit den Männern kommen

 

Die Haare ins Gesichte hängen

Als hätten Bärte sie mit Längen

So riet sie jener Herrschersfrau

Und man tat alles ganz genau

 

Am nächsten Morgen in der Früh

Der Wodan schlief, so weckte sie

Ihn auf, ließ ihn herunter blicken

Die Überraschung m u s s t e glücken!

 

„Wer sind die mit den langen Bärten?“

Die Frau, die sprach: das muss nun werden:

Die Du gerade  hast benannt

Die führ nun auch mit deiner Hand!

 

Und Wodan gab den langen Mut

Die Tapferkeit und auch die Wut

Sie schafften jenen Sieg, den harten

Und nannten sich nun „Langobarden“

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Odin und seine Frau Frigga

 

 

 

 

 

 

 

Hugin und Munin

 

 

 

 

Der Göttervater reiste nicht allein,

zwei schwarze Raben waren sein

Früh morgens flogen sie hinaus

und brachten Kunde spät nach Haus,

 

was in der Welt war heut‘ gescheh‘n,

wo auch ein Gott mag mal drauf seh‘n,

ob das noch klug und weise ist,

wo man die Rücksicht jäh vergisst

 

und nur noch seinem Willen folgt.

Da wird, was keiner mehr gewollt

Das kann man schon von weitem seh’n,

was da einmal wird draus entsteh’n

 

Erinn’re dich doch, wer du bist

Hör nicht auf diesen ganzen Mist

Dein Geist sei klar und konzentriert

Die Lösung kommt nicht, wenn‘s pressiert

 

Der Tod ist näher, als du denkst

Wenn Du ihn einmal richtig kennst,

dient er dem Leben, seinem Gang

Vor Wandel sei dir niemals bang!

 

 

 

Hugin (der Gedanke) und Munin (das Gedächtnis) sind die zwei Raben, die Odin ständig begleiteten. Er schickte sie allmorgendlich an den Himmel, damit sie ihm erichteten, was in der Welt vorging. Die Verbindung der Raben als Aasfresser zum Totenreich sowie ihre Klugheit und Cleverness setzten den Göttervater erst imstande, seiner umfassenden Rolle gerecht zu werden. In vielen Traditionen waren und sind die Raben als Kraft- und Totemtiere hoch geachtet und begleiten den Menschen – nicht nur den Schamanen – auf seiner Reise. So war Odin auch als der Rabengott bekannt (Hrafnagut).

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Lied von Grimnir (Grimnismal)

 

 

 

So manchmal wird der Mensch geprüft

Und manchmal ist das Leben streng

Ja, manchmal wird der Sand gesiebt

Und manchmal ist der Spielraum eng

 

Odin kam im blauen Mantel

Zum König Geirrod unerkannt

Er wollte prüfen seinen Wandel

Der war als gastfreundlich bekannt

 

Die Hunde bleiben völlig still

Der König traut dem Fremden nicht

‚Ein Zauberer! Was der wohl will?‘

So sah es aus in seiner Sicht

 

Er lässt ihn fesseln, setzt ihn nieder

Ja, zwischen Feuer brennend heiß

Es schmerzten alle seine Glieder

Und Wasser gab es nicht noch Speis

 

So vergingen acht der Tage

Der Königssohn ging zu ihm hin

Agnar dauerte die Lage

Gab ihm sein Horn mit Met darin

 

Doch das Feuer, das kam näher

Es leckte schon die Glut an ihm

Da sprach der Gott und weise Seher

Vom Weltenbaum und Weltensinn

 

Und gab sich endlich zu erkennen

Da fuhr der König brausend auf

Um in sein eigenes Schwert zu rennen

Das ihm entglitt, er fiel darauf

 

Der Gott verschwand und Geirrod starb

Das Schicksal sprach für seinen Sohn

Der gab dem Vater einen Sarg

Und saß noch lang auf seinem Thron

 

 

 

 

 

Nachdem Frigg die Gastfreundschaft des Königs Geirrod in Zweifel gezogen hatte, beschloss Odin, diese zu prüfen und zog unerkannt zu seinem Palast. Frigg liess den König noch warnen, aber der traute dem Fremden, der sich mit dem Namen Grimnir vorstellte, trotzdem nicht, da kein Hund bei seinem Auftreten anschlug. Er wollte ihn zur Rede zwingen und setzte ihn 8 Tage und Nächte zwischen 2 Feuer ohne ihm etwas zu essen oder trinken zu geben. Nur sein Sohn Agnar ging zu ihm hin und ließ ihn aus seinem Horn trinken. Erst als die Feuerglut Odins Mantel erfasste, begann er zu sprechen und erzählt in Versen vom Land der Götter und vom Weltenbaum. Ganz am Ende gibt er sich zu erkennen. Der König sprang auf und wollte ihn aus den Feuern führen. Da glitt ihm das Schwert aus den Händen, der Griff nach unten gekehrt. Der König strauchelte und durch das Schwert, das ihm entgegenstand, fand er den Tod. Da verschwand Odin und Agnar war König lange Zeit.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wie es zur Dichtkunst kam

 


 

Die Poesie: ein Kind des Friedens,

künden Sagen alter Zeit

Ja, wer spricht, wer hört, versteht,

meidet Habgier, Krieg und Streit


 

Die Götter schlossen einstmals Frieden

Und vermischten ihre Kraft

Dann, als Zeichen ihres Bundes

Spuckten sie in e i n e n Napf


 

Und formten einen Zwerg daraus

Großer Weisheit, Redekunst

Ein jeder musst' ihn einfach hören

Hoch stand er in der Menschen Gunst


 

Zwei Zwerge wollten Weisheit haben

Lauerten ihm einmal auf

Erschlugen ihn ganz hinterhältig

Nahmen diesen Mord in Kauf


 

Nun hatten sie den Lebenssaft 

Brauten einen feinen Met

Aus s e i n e m Blut und i h r e m Honig

Fehlt nur einer: der Poet!


 

Die Dichtkunst war nicht ihre Sache

Ihrer Habgier Freude kurz

Suttungr hatte eine Rechnung offen

Alles and're war ihm schnurz


 

Der Riese forderte den Trank 

Versteckte ihn in einem Berg

Tochter Gunnlod musste ihn bewachen

Dichterei war nicht ihr Werk


 

Der Odin hat davon erfahren

Dient beim Nachbarn gut ein Jahr

Zusammen bitten sie Suttungr

Der aber weist sie ab glasklar


 

Der Gott bohrt in den Berg ein Loch

Kriecht als Schlange schnell hinein

Gunnlod findet ihn bezaubernd

Drei Nächte währt das Stelldichein


 

Dann durfte er ihn endlich haben

Trinkt drei Kessel einfach aus

Und schwingt als Adler sich nach oben

Bringt den Skaldenmet nach Haus


 

So wurden auch die Götter weise

Asen hüteten den Trank

Und spendeten ihn vielen Menschen

Ihnen gilt der Dichterdank!

 

 

 

 

Drei Säfte waren es nach der altnordischen Mythologie, die zur Poesie führten: der Speichel der Götter, das Blut eines Weisen und der Honig der Zwerge. Sie schufen jenen Skaldenmet, den 'Trank der Begeisterung'. Der Gott Odin war es, der den Met von dem Riesen ins Götterreich zurückholte und damit die Grundlagen schuf für menschliche Weisheit, Inspiration zu Dichtung und Gesang.

 

 

 

 

ODIN UND JAHWE

 

 

 

 

Allvater wandert durch die Welten

Sucht auf die Zwerge, Riesen, Helden

Die Welt sieht er von seinem Thron

Hat Frau, auch einen toten Sohn

 

Die Welt zurückzuführ‘n auf e i n Prinzip

auf EINEN; der das alles schuf und schrieb

D i e Weisheit hat er nicht ersonnen

Doch mit der DREI, da ist's gewonnen

 

Mit Wodan ist man eng verbunden

In all den inspirierten Stunden

Im Lebenskampf und seinen Stürmen

Braucht man mit ihm gewiss nicht türmen

 

Man opferte ihm Pferde, Menschen

Mit seiner Macht wollte man kämpfen

Mit Zauber und Magie gewinnen

Und manchmal auch auf Weisheit sinnen

 

 

 

 

 

Der Schöpfergott sitzt auf dem Thron

Umgeben von dem Geist, dem Sohn

Regiert die Welt mit seinem Wort

Wer an ihn glaubt, ist einst auch dort

 

Der eine Gott ist nicht zu sehen

Und Böses ist nicht zu verstehen

Liebt er doch alle seine Kinder

Und die Geschöpfe auch  nicht minder

 

Den Jahwe, den kann man erleben

Bekommt man seine Schuld vergeben

Wo einer glaubt, wo einer gibt

Wo einer Frieden hält und liebt

 

Man hat die Opfer abgeschafft

Der eine Sohn hat das vollbracht

Nun wollte man die Welt bekehren

Und sterben mussten, die sich wehren

 

 

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Der Vatergott ist heut verdächtig

Die Göttin, die ist weise, mächtig

Wenn Mann und Frau sich heute lieben

Gäb‘s dereinst  auch im Himmel Frieden

 

 

 

 

 

 

THOR/DONAR

 

 

 

ist der germanische Gott des Donners, verwandt mit Jupiter, Zeus und dem keltischen Taranis, die den steinernen Donnerkeil als Waffe nutzten, der durch den Blitzstrahl vom Himmel zur Erde geworfen wurde. So ist auch der Hammer das Attribut des Thor. Was auf der einen Seite zerstöreriche Macht hat, ist auf der anderen auch das, was das Leben erhält und segnet. Mit dem Regen bringt das Gewitter eben auch Fruchtbarkeit und Gedeihen. So wundert es nicht, dass Thor einer der beliebtesten Götter bei den nordischen Völkern war. Insbesondere für die seefahrenden Völker war der Wettergott zentral. Noch heute finden sich in Skandinavien viele Ortsnamen, die ihn beinhalten. Auch die Namen Thorsten, Thorwald, der Donnerstag oder der Donnersberg in Rheinland-Pfalz haben  Bezug auf ihn.

 

Er ist wie andere Himmels-und Wettergottheiten auch der, der mit der Urschlange, dem Drachen kämpft und die Ordnung der Welt aufrecht erhält.

 

Eine typische Donars-Erfahrung finden wir in der Biographie Martin Luthers. Während eines furchtbaren Gewitters entschloss er sich, sein Leben Gott zu weihen und ein Mönch zu werden, wenn er dies überlebe. Was daraus entstanden ist, ist bekannt: eine christliche Reformationsbewegung, die sich weltweit ausgebreitet hat und bis heute ein gewichtiges Wort in der Christenheit mitredet. 

 

 

Die EICHE ist ihm geweiht, die der Blitz gerne aufsucht. Nicht zuletzt entschied sich an der Donareiche zu Geismar 723 n. Chr. unser abendländisches Schicksal, als Bonifatius sie in einem Gottesurteil vor Publikum unbehelligt fällen konnte. Nun war klar, wer die größere geistige Macht hatte! Keiner der Vertreter der alten Religion kam auf die Idee oder wagte es, mal öffentlich ein Kreuz zu zerschlagen und zu schauen, ob der Christengott da wohl zu Hilfe käme.

 

THOR ist in der Mythologie facettenreich: stark und tapfer, furchtbar und zerstörerisch, aber ebenso beständig, zuverlässig und heilbringend. Als Sohn des Göttervaters Odin und der ErdmutterJörd ist er einer der wichtigsten Schutzmächte der alten Germanen und Wikinger.

 

 

Wer meint, dies sei von der jüdisch-christlichen Tradition meilenweit entfernt, mag sich daran erinnern, dass auch dort die Gottheit beides in sich trägt: den Zorn und das Gericht ebenso wie die Barmherzigkeit und den Segen.

 

Ist mein Wort nicht wie ein Feuer, spricht der HERR, und wie ein Hammer, der Felsen zerschmeißt?

(Jeremia 23/29)

 

 

 

Bild: Thor mit seinen beiden Ziegenböcken Tanngnjostr und Tanngrisnir über den Gewitterwolken

 

 

 

 

 

 

 

 

DER THORSHAMMER (MJÖLNIR)

 

 

 

 

 

Schon auf den Felsbildern der skandinavischen Bronzezeit sind Hammer-Symbole zu finden, was ein deutlicher Hinweis auf die kultische Funktion des Hammers ist. Nicht umsonst sagt(e) man auch den Schmieden magische und unheimliche Kräfte zu, sind sie doch in der Lage mittels Feuer und Muskelkraft einen Klumpen Erz in ein Werkzeug oder eine Waffe zu verwandeln! Schmiede waren bei den Wikingern ebenso verehrt wie gefürchtet.

 

Das macht deutlich, dass Thor in der Wikinger-Zeit für die Menschen eine ungemein wichtige Rolle spielte und er war der mit Abstand beliebteste Gott. Das lag wohl vor allem an seiner Volksnähe, denn in seinen Charakterzügen verbarg sich eigentlich genau das Bild, das wir noch heute von den Wikingern haben. In der Edda, der nordischen Handschrift aus dem 13. Jahrhundert, wird Thor als ein polternder und hitziger Gott beschrieben, zugleich aber auch als humorvoll und gutmütig und leicht wieder zu versöhnen. Den Kriegern galt er aufgrund seiner Stärke als großes Vorbild, wenngleich Schläue und List nicht gerade seine Stärke waren.

 

Warf Thor seinen Hammer, so blitzte es am Himmel, der Mjölnir flog von ganz alleine in die Hand Thors zurück; der von Ziegen gezogene Streitwagen Thors ließ den Himmel donnern. Nicht umsonst war Thor auch als Donnergott bekannt und hieß bei den Südgermanen Donar, was der Donnerer bedeutet.

 

Mythologisch war Mjölnir das, was das Wort sagt: der Zermalmer. Von den beiden Zwergen Sindri und Brokk geschmiedet war er eine furchtbare Waffe, die ihr Ziel nie verfehlte und von alleine in die Hand des Werfers zurückkehrte. Eingesetzt wurde er gegen die Riesen und gegen die die Welt umspannende Midgardschlange im Urozean. Da Loki allerdings einen der Zwerge beim Schmieden in Gestalt einer Fliege ins Auge stach, geriet der Schaft des Hammers zu kurz - er hat also auch eine Schwachstelle.

 

 

 

Auch heute noch ist der Thorshammer besonders in Skandinavien weit verbreitet und wird zum Zeichen der Verbundenheit mit der nordischen Kultur und Tradition getragen. Die ihn glaubend als Amulett tragen,  die beschützt er auf allen Wegen, gibt Stärke und Kraft und sorgt für Ordnung im Leben. Den Frauen wurde er früher aufs Hochzeitsbett gelegt, auch oft als Grabbeigabe; hier steht er klar für die erhoffte Fruchtbarkeit.

 

 

Die Nationalsozialisten haben dieses Symbol nicht benutzt. Wenn er heute in der rechten Szene auftaucht, dann im Anschluss an die "völkische Bewegung" vor denm ersten Weltkrieg. Verbreitung findet er neben der neuheidnischen auch in der Heavy-Metal-Szene, bei Rockern und in der Schwarzen Szene. 

 

 

 

 

 

 

 

Als Thor den Riesen Utgard-Loki besucht, werden ihm 5 Aufgaben gestellt: er soll ein Wettessen bestreiten – in dem er nicht mithalten konnte, obwohl er einen Ochsen zu verspeisen in der Lage ist. Er musste einen Wettlauf machen, ein Trinkhorn leer trinken, gegen eine alte Frau kämpfen und eine Katze hochheben – und immer unterlag er. Beschämt wollte er gehen. Da klärte ihn sein Gastgeber auf:

 

 

 

Wen kann der stärkste Gott

Im Essen nie besiegen?

Das Feuer, das verzehrt,

Dem wirst du stets erliegen

 

Wen kann der schnellste Läufer

Auf keinem Weg einholen?

Hugin, der Gedanke,

Ist vor dir längst entflohen

 

Welch‘ Horn kann selbst ein Trinker

Bei keiner Wette leeren?

Das Meer, oh guter Mann,

Das halte stets in Ehren!

 

Wen kann der beste Kämpfer

Doch niemals niederringen?

Das Alter, diese Frau

Die muss dir was beibringen

 

Welche Katze kann

Kein Mann vom Boden heben?

Die Weltenschlange, sie

Von ihr sind wir umgeben 

 

 

DONNERSTAG


 

 

 

 

 

Dem Gott des Donners gilt der Tag

Der Wetter und Gewitter

Sein ist die Fruchtbarkeit, die Macht

Gehemmt nur durch den Splitter


 

Den er im Kopf behalten hat

Im Kampf mit einem Riesen

Der Geist jedoch war nie sein Ding

Wohl konnte er genießen


 

Aß einen Ochsen ganz allein

Auf einem Festgelage

Und eine schöne Frau war sein

Die Sif mit gold'nem Haare


 

Die Riesen hat er stets bekämpft

Geschützt die Welt der Menschen

Doch wo die Liebe mal hinfällt

Da hört er auf zu kämpfen


 

Und liebt Jarnsaxa, eine Riesin

Zeugt mit ihr zwei Söhne

Doch in der Regel ist er treu

Liebt seine Wunderschöne


 

Die auch mal ein Verhältnis hat

Das gibt's bei manchen Leuten

Die so begehrt und so aktiv

Sich trotzdem viel bedeuten


 

Thor zeigt dir, wo der Hammer hängt

Magie macht ihn noch stärker

Geht's in die Schlacht und in den Kampf

Wird er Dir zum Berserker


 

So sehr gefürchtet und verehrt

Der Mjölnir ist sein Zeichen

Die Spötter hat er schnell belehrt

Sein sind die alten Eichen


 

Nach außen ist er rau und stark

Nach innen gut und ehrlich

Er schützt den, der ihn ehrt und mag

Die Kraft ist unentbehrlich

 

 

 

 

 

 

 

Nicht von ungefähr entschied sich das Schicksal des Heidentums symbolisch an der Donareiche von Geismar 723 durch Bonifatius. THOR  war der stärkste und mutigste der Asen und hatte die Aufgabe, Götter und Menschen vor allen zerstörerischen und finsteren, lebensfeindlichen Kräften zu beschützen. Noch heute ist er der Schutzgott des Heidentums. Es wird erzählt, dass Thor dem norwegischen König Olaf auf seinem Schiff erschien und ihn zur Rede stellte. Dann sprang er ins Meer, ohne Rache zu üben.

Er ist von zuverlässigem, geradlinigem Charakter, hilfsbereit für seine Freunde und zornig gegen seine Feinde. Seine schützende Kraft zeigt sich in der Natur in der Gewalt von Blitz und Donner. Sein heiliger Baum ist die Eiche, sein Tier der Ziegenbock. Im Mythos fährt er auf seinem Streitwagen, der von zwei Böcken gezogen wird, gegen seine Feinde. Als Gott der sozialen Schutzfunktion (Krieger) beschreiben ihn die Dichter so, wie man sich einen Vikingerkrieger vorstellt: groß, kräftig gebaut und mit dichtem rotem Bart. Er hat funkelnde Augen, die seinen Feinden Angst machen, eine laute Stimme und kann Unmengen essen und trinken. Einen Gott, dem sich jemand besonders verbunden fühlte, nannte man in der Vikingerzeit fulltrúi, „vertrauter Freund” oder „einer, dem man voll und ganz trauen kann”. Diese Funktion erfüllte für die meisten Nordleute Thor. Er war es, an den sie sich in ihren täglichen Sorgen wandten, den sie um Hilfe und Schutz anriefen und dessen Vorbild ihnen die innere Kraft gab, sich wie er gegen die Bedrohungen ihres Daseins zu behaupten. So gab man auch vielen Kindern Thorsnamen wie Thorwald oder Thorsbjörn.

 


Thor ruft man in allen Dingen an, bei denen man göttlichen Schutz braucht und selbst stark und durchsetzungsfähig sein muss, aber auch als Weihegott, wenn man Runen, Kultplätze, Menschen und Tiere, die Felder oder wichtige Handlungen weihen, d.h. mit göttlicher Kraft erfüllen und vor schädlichen Einflüssen schützen will. Dazu macht man das Hammerzeichen, indem man ein auf dem Kopf stehendes T in die Luft oder über die Dinge zeichnet, die man weihen will. In dieser Form zeigt der Hammer, ebenso wie bei den Thorshämmern, die wir als Amulette und Erkennungszeichen tragen, als Ausdruck der friedlichen Absicht mit dem Eisen nach unten.
 

 

 

 

 


 

 

 

 

 

 

 

Männliche Habsucht und weiblicher Zorn: wie Frieden und Wohlstand zugrunde gerichtet werden

 

 

 

Das MÜHLENLIED /GROTTASONGR aus der Lieder-Edda erzählt, wie der sagenhafte dänische König Fróði besuchte einst Schweden. Vom schwedischen König kaufte er zwei Sklavinnen aus dem Riesengeschlecht. In Dänemark befanden sich zwei Mühlsteine, die so schwer waren, dass sie kein Mensch benutzen konnte. Mit dieser Mühle hatte es eine besondere Bewandtnis: „Grótti“ konnte mahlen, was immer der sie Bedienende sich wünschte.

Der dänische König zwang die beiden Riesinnen, für ihn Gold, Frieden und Wohlstand zu mahlen. Dabei erlaubte er ihnen nicht länger zu ruhen als für die Zeit des Schlafs eines Kuckucks oder eines Liedes. Diese unmenschliche Behandlung aus Habgier sollte sich rächen. Während die meisten Männer schliefen, sangen die Frauen ihren Zorn heraus und IN DAS MAHLEN HINEIN - und mahlten so dem König das Unheil herbei.

Es kam ähnlich wie in den biblischen Prophetenbüchern: ein fremdes Heer fiel in Fróðis Reich ein, töte den König und viele seiner Männer. Und die Angreifer (Wikinger) segelten mit reicher Beute und den beiden Riesinnen davon.

Auch der Wikingerkönig wollte von der Zaubermühle etwas haben. Er befahl den Riesinnen, für ihn Salz zu mahlen. Als diese gegen Mitternacht fragten, ob er nicht genug Salz habe, verlangte er von ihnen, weiter zu mahlen. Auch er wurde seiner Habsucht nicht Herr. So traf auch ihn das Unheil. Die Schiffe sanken, überladen vom Salz und mit ihnen die Mühlsteine. An der Stelle des Untergangs bildete sich ein Strudel, wo das Wasser durch das Auge der sich drehenden Mühlsteine fällt, auf denen die beiden Frauen weiter Salz mahlen. Dieses sei der Grund, wieso Meerwasser salzig sei.

 

 

 

 

 

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